17. September 2015 | Smarte Welt | 2 Kommentare

Smart Home für Anfänger: Ein komfortabler Einstieg.

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Ein Gastbeitrag von Sebastian Scholz

Wenn man sich heute mit der Anschaffung eines Smart Home Systems beschäftigt, wird man durch die Flut von Systemen, Anbietern, Plattformen, Protokollen, Standards und Komponenten fast erschlagen.

Allein Google findet 285 Millionen Einträge im Internet. Zeit für ein bisschen mehr Klarheit!

Was ist eigentlich „Smart Home“? Eine eindeutige Definition gibt es nicht. Im allgemeinen versteht man unter einem Smart Home ein Haus oder eine Wohnung, in der es Haushaltsgeräte gibt, die sich Ansteuern und Programmieren lassen. Die Vielfalt der Geräte wird täglich größer: Das Angebot beginnt bei dem elektronischen Feuchtigkeitssensor für den Blumentopf, der elektronischen Mausefalle, dem Heizkörperregler, geht über elektrische Türschlösser und Waschmaschinen sowie Geschirrspüler mit Internetanschluss bis hin zur Webcam. Alle Geräte können mit einer App auf dem Smartphone oder einer Webseite angesprochen und programmiert werden.

Die Auswahl eines Smart Home Systems ist vor allen Dingen abhängig von der Art der Anwendung, den Voraussetzungen in der Wohnung und der Größe des eigenen Geldbeutels.

Smart Home: Die Anwendungsfälle.

Die meisten Smart Home Systeme und Anwendungen drehen sich um Heizen, Licht, Sicherheit und Hausautomation.

Heizen:
Die Heizkosten sind einer der größten Kostenblöcke im Haushalt. Mit einem Smart Home System lassen sich Heizkörper oder auch die Heizungsanlage selbst steuern. Mit Zeitplänen kann genau festgelegt werden, wann die Wohnung warm und kalt sein soll. Die möglichen Einsparungen sind umso höher, je älter die Bausubstanz ist. Moderne Null-Energie-Häuser haben bereits eine Heizungssteuerung, hier lohnt sich meist die Anschaffung nicht. Ideal sind Altbauten mit Heizkörpern, hier kann jeder Raum individuell geregelt werden. Die Heizungssteuerung erhöht aber auch den Komfort in der Wohnung, so schalten sich je nach System die Heizkörper automatisch ab, wenn die Fenster zum Lüften geöffnet werden und bei großen Wohnungen spart man sich das einzelne Abdrehen aller Heizköper, in dem sie einfach per Knopfdruck bei Verlassen der Wohnung ausgeschaltet werden.
Einige Systeme lassen sich um weitere Komponenten ergänzen, so können Temperaturfühler, Luftfeuchte- und CO2 Sensoren Aufklärung über das Raumklima geben und bei erhöhter Luftfeuchte – z.B. nach dem Duschen – automatisch den Raum beheizen, um Schimmelbildung an den Wänden zu vermeiden.

Sicherheit:
Sollte die Wohnung potentielle Einbrecher anlocken, da sie beispielsweise gut erreichbar im Erdgeschoss liegt oder es sich um ein eigenes Haus in einer „guten“ Wohngegend handelt, sind Sicherheitsfunktionen ein interessantes Anwendungsfeld. Hier gibt es eine Vielzahl von Endgeräten und Sensoren, die angeschlossen werden können. Am verbreitetsten sind Sensoren für geöffnete Fenster & Türen , Bewegungsmelder, Webcams, Glasbruchsensoren und elektronische Türschlösser.

Ein typischer Tagesablauf mit einer Sicherheitsanwendung kann so aussehen:

  • Beim Verlassen der Wohnung werden auf einem Display alle offenen Fenster dargestellt. Das Abschließen des elektronischen Türschlosses aktiviert die Alarmanlage.
  • Sobald es dunkel wird, simuliert wechselnde Beleuchtung im Haus die Anwesenheit von Bewohnern.
  • Machen sich Personen am Haus zu schaffen, erkennen die Bewegungsmelder die Aktivitäten und übermitteln Fotos von Webcams auf das Handy des Besitzers. Er kann dann entscheiden ob es ein harmloser Vorgang ist oder er weitere Maßnahmen ergreifen möchte, zum Beispiel Nachbarn oder einen Schließdienst informieren. Sollte es sich um Eindringlinge handeln, können automatisiert alle Jalousien heruntergefahren und die Außenbeleuchtung eingeschaltet werden. Laute Alarmsignale können den Eindringling vertreiben.
  • Das Aufschließen der Tür schaltet die Alarmanlage ab.

Licht:
Ebenfalls sehr beliebt sind Anwendungen rund um Beleuchtungsszenarien. Um die klassische Deckenbeleuchtung oder die Stehlampe der Oma smart zu bekommen, gibt es mehrere Wege. Zum einen gibt es sogenannte „Smart-Plugs“, also kleine Zwischenstecker, die zwischen Stecker und Steckdose geklemmt werden. Sie werden per Funk angesteuert und können je nach Modell das angeschlossene Gerät einfach ein- und ausschalten, dimmen und teilweise auch die verbrauchte Leistung messen. Für die Deckenbeleuchtung gibt es auch Unterputz-Lösungen, hier ist die Installation jedoch aufwändiger und sollte nur durch qualifizierte Fachkräfte durchgeführt werden.
Eine weitere Option stellen smarte Leuchtmittel dar, hierbei wird die klassische Glühbirne durch ein LED Leuchtmittel ersetzt, welches jede beliebige Farbtemperatur, Farbe und Helligkeit annehmen kann. Die LEDs passen in die handelsübliche E14 und E27 Fassungen. Per Schalter oder Handy-Knopfdruck lassen sich beliebig voreingestellte Lichtstimmungen abrufen, z.B. für den gemütlichen Fernsehabend – hier ist das Licht eher gedimmt und warmweiß, während bei der Lichtstimmung für das Großreinemachen alle Lampen so hell wie möglich und eher kaltweiß leuchten.

Hausautomation.

Sebastian Smart Home

Im Eigenheim gibt es weitere Anwendungsfälle, beispielsweise für die Steuerung der Jalousien am Gebäude. Mit einem Smart Home System können die Jalousien nach Belieben angesteuert werden. Das Öffnen und Schließen der Wohnungstür bei Verwendung eines elektronischen Schlosses kann die Jalousie ebenso Ansteuern wie eine Unwetterwarnung des deutschen Wetterdienstes.
Speziell für Kunden mit einer eigenen Photovoltaikanlage ist die Anbindung von Haushaltsgeräten interessant. So kann mit automatisierter Steuerung von Waschmaschine, Wäschetrockner und Geschirrspüler dafür gesorgt werden, dass bei ausreichendem Sonnenschein der eigene Sonnenstrom verwendet wird und damit die Erträge der PV-Anlage steigen.

Häufig gehen die Anwendungsfälle ineinander über, mit der Lichtsteuerung kann auch die Anwesenheit von Personen simuliert werden und damit zum Abschrecken von Einbrechern dienen.

Die meisten Systeme ermöglichen die Definition von „Regeln“. Regeln beschreiben, wie sich ein Gerät bei einem bestimmten Zustand verhalten soll. Eine Regel wäre z.B.:

WENN der Regensensor Regen meldet UND ein Fenster geöffnet ist DANN schließe die Jalousien.

Durch solche Regeln lassen sich beliebig viele und beliebig komplexe Anwendungsfälle festlegen, Grenzen setzen nur die im Haus verbauten Geräte und die eigene Phantasie.

Neben der Art der Anwendung entscheidet auch die verwendete Technologie über den Einsatz.

Die funkbasierten Smart Home Systeme.

Funkbasierte Smart Homes kommunizieren über verschiedene drahtlose Standards miteinander. Der große Vorteil: Eine Verkabelung von Geräten ist nicht nötig. Dadurch sind sie ideal für das Nachrüsten von Wohnungen. Die meisten Komponenten verwenden jedoch Batterien (z.B. die Bewegungsmelder, Heizkörperregler usw.), die regelmäßig gewechselt werden müssen.

Neben dem allgemein bekannten WiFi als Funkprotokoll gibt es eine große Anzahl an mehr oder weniger standardisierten weiteren Technologien, welche speziell für Smart Home optimiert wurden und wesentlich weniger Energie beim Funken verbrauchen. Damit erhöhen sie die Lebensdauer von Batterien und reduzieren die Strahlenbelastung. Bekannte Vertreter sind ZigBee, Homematic, Z-Wave, EnOcean, DECT ULE, Bluetooth.

Die drahtgebundenen Systeme.

Bereits seit vielen Jahren haben sich drahtgebundene Systeme etabliert, welche über eine eigene Verkabelung – dem sogenannten Bus – die Komponenten ansteuern. Da für die benötigten Komponenten (alle Steckdosen, Deckenleuchten, Schalter usw.) eigene Datenkabel gelegt werden müssen, sind solche Systeme vor allem dann geeignet, wenn sie direkt beim Neubau mit integriert oder bei einer Kernsanierung neu verlegt werden. Die Installationen sind optisch sehr unauffällig und lassen sich in bestehende Schalterprogramme (Steckdosen / Lichtschalter-Rahmen) integrieren.

Für Mieter sind solche Systeme aufgrund des Installationsaufwandes ungeeignet. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen sind die Kosten, die leicht einen fünfstelligen Betrag erreichen können.

Zwischen drahtlosen und drahtgebundenen System sind die Grenzen fließend, auch drahtgebundene Plattformen unterstützen drahtlose Komponenten, die mit Verkabelung sonst nur schlecht zu erreichen wären, wie z.B. Heizkörperregler oder Fenster/Tür Kontakte.

Auch für drahtgebundene Systeme gibt es Nachrüstlösungen, wie DigitalStrom, welche die Stromleitung selbst als Datenkabel verwenden.

Smart Home: Komfort per Knopfdruck.

Lohnt sich das? Diese Frage wird häufig gestellt – und lässt sich nur sehr schwer beantworten. Zum heutigen Zeitpunkt (2015) werden die Einsparungen bei Heizkosten und Strom die Anschaffungskosten für Smart Home Systeme in der Regel nicht ausgleichen. Das wäre nur der Fall, wenn vor Anschaffung eines solchen Systems die Heizung Tag und Nacht durchgelaufen wäre und erst mit dem Smart Home System über Einsparungen nachgedacht würde.

Die Kosteneinsparungen sind aber im täglichen Betrieb gar nicht so wichtig wie der Gewinn an Komfort und Sicherheit. Hier können die Systeme ihre eigentlichen Vorteile ausspielen. Die Wohnung ist bereits warm, wenn die Bewohner zu Hause eintreffen. Das Haus lässt sich von unterwegs überwachen und steuern. Per Knopfdruck sind alle Geräte und Heizkörper aus, hierzu hätte man vorher durch das ganze Haus laufen müssen. Diese Vereinfachungen des Alltags machen das Home zu einem Smart Home.

Installation und Bedienung.

Vor dem Kauf eines Smart Home Systems sollte man sich mit der Installation und Bedienung vertraut machen. Bei den meisten Nachrüstsystemen gibt es eine zentrale Steuereinheit, die mittels eines Netzwerkkabels mit dem Router verbunden werden muss. Dafür sollte ein Netzwerkeingang am Router frei sein. Die Steuereinheit kommuniziert wiederum mit den anderen Komponenten, die im Haus verbaut sind.
Während der Installation müssen die Komponenten an die Steuereinheit angelernt werden – ähnlich wie die erste Verbindung eines Handys mit dem Router oder die Kopplung eines Bluetooth Gerätes. Je nach Anbieter ist das Anlernen sehr kompliziert, zum Teil müssen hierzu die Geräte aufgeschraubt und versteckt angebrachte Knöpfe gedrückt werden.

Die Bedienfreundlichkeit ist ein wesentlicher Aspekt bei der Kaufentscheidung. Wie einfach lassen sich die Funktionen einrichten und bedienen? Kann das System auch von Menschen verwendet werden, die nicht die zugehörige App besitzen?
Neben Systemen, die sehr auf Einfachheit und Bedienfreundlichkeit getrimmt sind, gibt es leider immer noch Anbieter, deren Benutzeroberflächen nur mit abgeschlossenem Ingenieursstudium bedient werden können.

Smart Home für Anfänger. Das Fazit:

DIE Lösung für Smart Home gibt es nicht. Sowohl die angebotenen Smart Home Lösungen wie auch die Anwendungsfälle sind zu vielfältig. Somit sollte man sich vor dem Einstieg ins smarte Zuhause mit dem Markt beschäftigen und das für sich passende System sorgfältig aussuchen.

  1. Christian sagt:

    Toller Artikel, kann ich nur bestätigen – jeder sollte sich vor dem Kauf von SmartHome Produkten überlegen, was möchte ich und wie viel Geld bin bereit auszugeben.

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