21. September 2015 | Smarte Welt | Keine Kommentare

Smart Home Technik die begeistert – aber nicht alle.

Smart Home Technik: Mann vor PC verzweifelt #allessmartbeidir Smart Home Innovation
Ein Gastbeitrag von Sebastian Scholz.

Seit vielen Jahren habe ich in meiner Wohnung verschiedene Smart Home Systeme verbaut und intensiv getestet. Einige wesentlichen Erkenntnisse möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Heizen im Smart Home – manchmal rauchen die Köpfe.

Meine ersten Heizkörperregler waren einfach unförmig große Rechtecke ohne Display oder Stellrad zur Temperatureinstellung. Sie sahen eher wie vergilbte Plastik-Brotdosen aus, die an Heizkörper geschraubt wurden. Entsprechende Kommentare durfte man sich dann auch anhören: „… das sieht sooooo hässlich aus“ und ähnliches. Als Mitglied der technischen Avantgarde schweigt man und denkt sich seinen Teil. Tröstlich ist nur, dass die Designer generell einen Riesenbogen um Smart Home Technik und Komponenten gemacht haben.

Die Bedienung von Heizkörpern, eine ehemals einfache technische Basiskompetenz, die selbst von Kindern beherrscht wird, entwickelt sich im Smart Home zum Geheimwissen einer digitalen Elite.

Jeder Wunsch nach Temperaturänderung führt zwingend zum Griff nach dem Handy und als Herr über das Raumklima schrammt man immer knapp an einem Familienkonflikt vorbei. Es ist natürlich immer zu warm oder zu kalt und der Hinweis auf die optimale Temperaturführung in Abhängigkeit zur Umwelt hat natürlich keine Bedeutung, wenn es um das eigene Frösteln geht.

Ein Meilenstein der Entwicklung war die Einführung von Stellrädern, gleichbedeutend wie der Übergang von der Echse zum Säugetier bei den Lebewesen. Auf einmal kann jeder nach Belieben die Temperaturen ändern. Doof nur, das trotzdem die Programmierung zuschlägt und dafür sorgt, dass trotzdem abends die Heizung aus- und morgens wieder angeht.

Fazit: Wohnt mindestens eine Person ohne extreme Technikbegeisterung im Haushalt, sollten zumindest Heizkörperregler mit manueller Verstellung angeschafft werden.

Smart Home Technik: Leere Batterien heizen ein.

Nächster nerviger Punkt sind die Batterien. Die meisten Geräte (Bewegungsmelder, Heizköperregler, Fenster / Tür Kontakte usw) sind damit ausgestattet. Batterien haben die Eigenschaft, irgendwann leer zu sein. Das tun sie auch in der Smart Home Technik, und zwar immer zum ungeeignetsten Zeitpunkt. Heizkörperregler fahren normalerweise bei leerer Batterie auf eine Notposition zurück, die das Ventil ein bisschen geöffnet lässt, damit bei Frost nicht die Heizkörper einfrieren. Dieses „bisschen“ geöffnet (laut Handbuch) führt bei mir dazu, dass die Räume auf 25° oder mehr aufheizen. Ein Naturgesetz besagt, dass dies immer während eines Urlaubs oder Wochenendausflugs passiert. Natürlich geschieht dies nicht bei allen Heizkörperreglern auf einmal sondern immer nacheinander im Abstand weniger Wochen. Und auch klar, dass man immer genau eine Batterie zu wenig um Haus hat.

Fazit: Immer mindestens 5 Batterien mehr als benötigt einkaufen. Und immer alle Sorten, von AAA bis zur Knopfzelle.

Smarte Beleuchtung: Nicht allen geht ein Licht auf.

Auch die Lichtlösungen halten einige Überraschungen bereit. Nicht alle Freunde & Verwandten teilen die Begeisterung für die extrem klobigen Zwischenstecker. Je nach Hersteller sind sie zu dick, zu breit oder beides, belegen mindestens drei Steckplätze in einer Verteilerdose und sind in verschiedenen Farbabstufungen von gelben Zähnen gehalten. Sie können entweder dimmen, Licht ein- und ausschalten oder den Verbrauch messen, nie aber alles zusammen. Bei einigen brennt die Sicherung durch, wenn zu große Lasten dranhängen. Die Dimmer können entweder LEDs, Energiesparlampen oder Old-School Glühlampen dimmen, aber natürlich nicht alles davon.

Während ich als stolzer Besitzer der Smart Home Lichtsteuerung ziemlich euphorisiert von der Möglichkeit bin, die Stehlampe mit dem Smartphone einzuschalten (Handy suchen, Handy entsperren, Pin eingeben, App starten, warten, in der App auf „Licht an“ drücken, warten, Licht geht endlich an, Handy wegräumen= 30 Sekunden) und dies in der Bar all meinen Freunden auch zeige – ohne dass sie die Stehlampe sehen könnten – verursacht das bei allen anderen Mitbewohnern bestenfalls Stirnrunzeln. Hier setzt man auf bewähre Technik: Lichtschalter berühren, Taste drücken, Licht an = 0,5 Sekunden).

Um auch den Rest der Familie an den Errungenschaften teilhaben zu lassen, habe ich irgendwann Funklichtschalter installiert, sie neben die bestehenden Lichtschalter gebaut und die Tasten mit diversen Lichtstimmungen belegt. Somit können wieder alle Bewohner die Beleuchtung bedienen.

Schwierig aber, wenn Gäste zu Besuch sind, welche nicht mit dem Konzept unterschiedlicher Drucklängen auf dem Schalter vertraut sind. Selbst engagierte und ausführliche Einführungen in die Thematik Smart Home Technik („links oben lange drücken schaltet die Lesestimmung ein, rechts oben 2x kurz alle Lichter aus, unten rechts einmal lang alles hell, 2x kurz die Leselampe aus“) führen nicht zwingend zu Verständnis. Normalerweise suche ich am nächsten Morgen die Glühbirnen zusammen, welche die Gäste in Frustration aus den Lampen gedreht haben.

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