Der Vision-S von Sony: Gefahr für die etablierten Autobauer?

Zum ersten Mal war die größte Überraschung auf der Consumer Electronics Show CES in Las Vegas kein Fernseher, keine Kamera, keine Spielekonsole und kein Roboter – sondern ein E-Auto: der Vision-S von Sony. Für Autos war der japanische Konzern bislang nicht bekannt. Sony ist mit seinem Mobilitäts-Vorstoß nicht allein: Google, Apple, Dyson, die Deutsche Post – sie alle sind ebenfalls Quereinsteiger. Doch was bedeutet das für die etablierten Autobauer? Müssen sie in Zukunft mehr Konkurrenz fürchten? Eine Spurensuche.

Neue Player im Bereich der (E-)Mobilität.

Vor zehn Jahren kannten die wenigsten Menschen das Unternehmen Tesla – im Januar 2020 hat das US-amerikanische Unternehmen mit seinem Marktwert an der Börse die 100-Milliarden-Dollar-Marke geknackt und stellt damit den größten deutschen Autobauer, den Volkwagen-Konzern, in den Schatten. Von den meisten ebenfalls sehr erfolgreichen chinesischen E-Auto-Bauern haben wir hierzulande auch heute noch nie gehört, und nun auch noch das: Sony stellt auf der CES, der Consumer Electronics Show in Las Vegas, ein eigenes Elektroauto vor: den Sony Vision-S. Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich bei dem Fahrzeug allerdings erst einmal nur um eine Vision, genauer gesagt um ein Konzept-Auto.

Dennoch zeigt dieses Beispiel eindrücklich, wo die Reise hingeht: Zahlreiche Quereinsteiger drängen auf den Fahrzeugmarkt und in die Mobilitäts-Branche. Schließlich war Sony bislang keineswegs für Autos, sondern vielmehr für Unterhaltungs- und andere Elektronik bekannt. Angefangen beim Walkman in den 90er-Jahren über Kühlschränke, Roboter und die äußerst erfolgreiche Alpha-Serie bei den Digitalkameras bis hin zur meistverkauften Spielekonsole der Welt, der Playstation (alleine von der Playstation 2 wurden bis heute 157 Millionen Exemplare verkauft). Doch Sony ist mit seinen Mobilitäts-Vorstößen nicht allein. Neben Unternehmen wie Tesla, die gegründet wurden, um Fahrzeuge zu bauen, gibt es zahlreiche Quereinsteiger, die im Mobilitätsbereich mitmischen wollen. Und das hat einen guten Grund.

Warum viele Konzerne den Quereinstieg wagen.

Das Beispiel des Sony Vision-S zeigt deutlich: Man muss genau hinschauen, wenn ein Quereinsteiger ein eigenes Fahrzeug vorstellt. Ob dieses von einer Batterie, von Wasserstoff oder einem konventionellen Verbrenner betrieben wird, ist zunächst zweitrangig. Nicht immer ist Schein auch Sein. Denn auch wenn Sonys Vision-S schnittig daherkommt, das an einer Sportlimousine orientierte Design ziemlich an Teslas Model S erinnert und die durchgängigen Lichtbänder an Front und Heck ebenfalls futuristisch wirken (ähnliche Licht-Spielereien haben wir unlängst bei Teslas Cybertruck gesehen), wird es der Vision-S wohl nie auf die Straße schaffen. Denn er ist ein typisches Konzept- oder Innovationsfahrzeug, wie sie auch Zulieferer der Automobilbranche wie etwa ZF Friedrichshafen oder Bosch gerne mal bauen und öffentlichkeitswirksam präsentieren.

Heckansicht des Sony Vision-S. (© Sony)
Noch handelt es sich bei Sonys Vision-S um ein reines Konzeptfahrzeug.

Was dahinter steckt? Zweierlei: Einerseits ist es natürlich eine hervorragende Werbung. Selbst bei der Präsentation der Playstation 5 hätten wohl nicht so viele Augen auf Sony geschaut, so viele Zeitungen im Wirtschafts- und nicht nur im Unterhaltungs-Teil über die Präsentation berichtet. Andererseits dient die Entwicklung eines Konzept-Fahrzeugs wie des Sony Vision-S auch der eigenen Weiterentwicklung und zu guter Letzt der Machtdemonstration. Sony macht damit seine Expertise und seine Zukunftstechnologien in unterschiedlichsten Bereichen greifbar. Seien es die ausgeklügelten Kamera- und Sensor-Systeme, die bei den Sicherheitsassistenten des Fahrzeugs zum Einsatz kommen, die hochauflösenden Displays und das Infotainment-System im Innenraum, die Gestensteuerung oder sonstige Hightech, die im Vision-S verbaut ist. Sony zeigt, dass man mit dem Wissen aus der langjährigen Entwicklung unterschiedlichster Produkte durchaus in der Lage ist, ein ernstzunehmendes, visionäres Fahrzeug zu bauen. Dass die Autobranche mit ihren trägen, verkrusteten Strukturen für ein schnelllebiges Unternehmen wie Sony laut Analysten nicht wirklich attraktiv ist, steht auf einem anderen Blatt.

Nicht nur Erfolgsgeschichten: Manche scheitern, Google setzt auf Waymo.

Dass auch große Namen nicht immer erfolgreich sind, zeigen gleich mehrere Beispiele. So hat Apple sein Projekt „Titan“ mittlerweile wieder an den Nagel gehängt – Hunderte Spezialisten und ehemalige führende Angestellte der großen Autokonzerne hatten unter diesem Namen an einem visionären Fahrzeugkonzept geforscht und entwickelt. Auch der für seine innovativen Staubsauger bekannte Hersteller Dyson steckte viel Zeit, Geld und Arbeitskraft in die Entwicklung eines Elektroautos. Diese wurde mittlerweile wieder eingestellt. Der Grund: Man sehe keine Möglichkeit, auf diesem Gebiet ein rentables Geschäft aufzubauen. Ähnlich sieht das auch Google und beschränkt sich seitdem mit seinem Schwesterunternehmen Waymo auf Sensoren und Technologien für das Autonome Fahren. Kein schlechter Schachzug, denn darauf werden die etablierten Hersteller in Zukunft ganz sicher angewiesen sein. Und das Know-how, entsprechende Technologie selbst zu entwickeln, fehlt ihnen.

Die Deutsche Post hingegen war erfolgreich: Sie hat mit ihrer in Aachen ansässigen Tochtergesellschaft Streetscooter GmbH einen vollelektrischen Kleintransporter auf die Räder gestellt, der vor allem in größeren Städten im Einsatz ist.

So reagieren die etablierten Autobauer.

Wirklich große Innovationen setzen die etablierten Konzerne den neuen Playern und Quereinsteigern bislang nicht entgegen. Vielleicht müssen sie das aber auch gar nicht, denn sie haben noch ein Ass im Ärmel: ihre schon vorhandenen und eingespielten Strukturen. Prinzipiell setzt sich jedes Fahrzeug – egal ob E-Auto oder Verbrenner – aus Teilen unterschiedlichster Firmen und Zulieferer zusammen. Die etablierten Autobauer beherrschen dieses Zusammenspiel, die Koordination und das Abstimmen der Teile aufeinander aus dem Effeff und erschaffen mit ihrem Fahrzeug ein Produkt, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Keine einfache Aufgabe. Auch die Produktionsprozesse sind über die Jahrzehnte extrem harmonisiert und perfektioniert worden. Das müssen Quer- und Neueinsteiger erst mal aufbauen.

Vor allem der Volkswagen-Konzern mit seinen Marken wie VW, Audi, Skoda oder Porsche stellt derzeit alle Zeichen auf Elektro-Antrieb und will der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen werden. Auch die Vertriebsnetze in Form von Autohäusern spielen den etablierten Konzernen bislang in die Karten. Vor allem asiatische Anbieter haben auf dem europäischen Markt bislang kaum eine Chance, einen funktionierenden Vertrieb aufzubauen. Dass teure Autos aber mittlerweile auch online gekauft werden, beweist Tesla: Vor etwa einem Jahr hat sich Elon Musk dazu entschieden, seine Modelle nur noch online zu verkaufen und die bestehenden Autohäuser zu reinen Ausstellungsräumen zu degradieren.

Fazit: Das Rennen ist in vollem Gang.

Während die bestehenden Strukturen für die etablierten Autobauer sprechen, überzeugen neue Unternehmen und Quereinsteiger mit Innovationskraft und frischen Ideen. Ein kluger Schachzug für die Platzhirsche könnte da das Bündeln von Kompetenzen in Form von Kooperationen sein. Während Volkswagen derzeit genau diesen Austausch unter dem eigenen Dach fördert und mit innovativen Start-ups kooperiert, haben BMW und Mercedes ihre Zusammenarbeit auch im Bereich der E-Mobilität verkündet. Mit Share Now hatten sie zuvor bereits ihre Carsharing-Angebote DriveNow und car2go zusammengelegt. Denn ob die Zukunft der Autobauer wirklich im Autobau oder nicht doch eher im Anbieten von Mobilitätslösungen liegt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedenfalls sicher: Uns stehen viele Innovationen, Überraschungen und Veränderungen bevor.

E-Auto günstig und klimaneutral zuhause laden?

Entdecke deine Vorteile mit dem Yello Autostrom-Tarif.

Zum Autostrom-Tarif

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

facebook instagram twitter youtube linkedin xing envelop hilfe login menu burger phone messenger whatsapp mail kwk sms gas strom waermestrom more playbutton loading-indicator