E-Auto-Mythen im Faktencheck: Was ist dran an den Vorurteilen zur E-Mobilität?

Die Produktion eines E-Autos ist schlechter fürs Klima und die Umwelt als die eines Verbrenners – stimmt’s, oder ist das nur ein Mythos? Wir sind dieser und anderen Fragen rund um die Elektromobilität auf den Grund gegangen. In unserem großen Faktencheck erhältst du alle wichtigen Antworten und erfährst, in welchem Vorurteil doch ein wahrer Kern steckt. Los geht’s!

Mythos 1: Elektroautos sind immer noch viel zu teuer.

Klar, ein Model S von Tesla (aktuell etwa ab 86.800 Euro) oder einen Porsche Taycan  (ab 105.600 €) kann sich nicht jeder in die Garage stellen. Teure Oberklasse-Modelle gibt es aber auch bei den Verbrennern. Dennoch ist die E-Mobilität mittlerweile preislich in der unteren Mittelklasse angekommen. Einige E-Fahrzeuge sind bereits für unter 30.000 Euro zu haben, etwa der Smart EQ (ab 22.000 Euro), der VW ID.3 oder auch der neue Opel Corsa e (beide 29.900 Euro). Von den Mini-Elektroautos wie Microlino, Uniti One oder Zetta ganz zu schweigen. Die starten bei rund 12.000 Euro. Obendrauf gibt es noch eine Förderung, die vom Staat und den Herstellern gezahlt wird. Zugegeben: Vor wenigen Jahren sah das noch anders aus, da war Elektro-Mobilität nur für Besserverdiener erschwinglich. Aber nicht zuletzt durch die Förderungen, bezuschusste Ladetarife und günstige Versicherungen ist sie mittlerweile auch für breitere Bevölkerungsschichten zu finanzieren.

Mythos 2: Elektroautos belasten die Umwelt genauso stark wie Verbrenner.

Hier muss man genau zwischen der Produktion eines Elektrofahrzeugs und seiner Umweltbilanz „auf Lebenszeit“ unterscheiden. Denn in dem Satz „Die Produktion eines E-Autos ist schlechter fürs Klima und die Umwelt als die eines Verbrenners“ steckt durchaus etwas Wahres. Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (kurz: ISI) benötigt die Herstellung eines Elektrofahrzeugs etwa das Doppelte an Energie im Vergleich zu einem Verbrenner (je nach Modell und Batteriekapazität zwischen 70 und 130 Prozent mehr). Hauptgrund ist der Akku, dessen Produktion sehr energieaufwendig ist.

Jetzt kommt das große ABER: Wird die Energiebilanz in der gesamten Lebenszeit betrachtet (für Kleinwagen wurde diese mit 150.000 Kilometer, für Oberklassemodelle mit 220.000 Kilometer veranschlagt) benötigt ein E-Auto insgesamt zwischen 15 und 30 Prozent weniger Gesamtenergie als ein Verbrenner. Hinzu kommt, dass seine CO₂-Bilanz bei der für den Antrieb benutzten Energie deutlich besser ist, wenn man den derzeit in Deutschland herrschenden Strom-Mix (also die Mischung von Strom aus erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energiequellen) berücksichtigt. Trotz des Startnachteils ist somit ein Elektrofahrzeug deutlich besser für die Umwelt. Im Laufe der nächsten Jahre dürfte sich dieser Wert noch weiter zugunsten des E-Autos verschieben, prognostizieren die Wissenschaftler hinter der Studie.

Mythos 3: Die Reichweite von Elektrofahrzeugen ist zu gering.

In dieser Aussage steckt ebenfalls ein wahrer Kern – bislang gibt es kaum Elektroautos, die eine Reichweite von deutlich über 500 Kilometern mit einer Ladung schaffen. Geschweige denn solche, die die 1.000-Kilometer-Marke knacken. Doch auch bei der Reichweite hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Kam man mit den frühen rein elektrischen Modellen, beispielsweise der ersten Generation des BMW i3, in der Praxis nur etwa 130 bis 150 Kilometer weit, haben heute die meisten E-Autos mindestens das Doppelte dieser Reichweite.

Mittlerweile werden in E-Autos nämlich größere Akkus eingebaut, die preislich wesentlich günstiger sind als noch vor einigen Jahren. Ganz vorne auf der Liste der reichweitenstarken E-Autos steht vor allem Tesla. Deren Model S, Model X und Model 3 haben allesamt eine Reichweite von über 550 Kilometern. Aber du musst nicht so tief in die Tasche greifen, um mit einer Ladung weit zu kommen: Ein Kia e-Soul schafft gute 450 Kilometer, und mit dem neuen Nissan Leaf e+ kommst du immerhin 385 Kilometer weit. Und jetzt kommen die wichtigsten Zahlen: Im Durchschnitt legt der Deutsche pro Tag 40 Kilometer mit dem Auto zurück – in der Woche 280 Kilometer. Das schaffen selbst die kleinen E-Auto-Batterien locker. Hinzu kommt, dass sich auch bei der Ladetechnik einiges getan hat und viele Akkus mittlerweile innerhalb von 20 oder 30 Minuten gut 80 Prozent ihrer Kapazität aufladen können. Auch längere Reisen sind somit problemlos möglich, wenn du die entsprechenden Pausen einplanst und dir in dieser Zeit einfach die Beine vertrittst oder einen Kaffee trinkst.

Verkehr auf der Autobahn.
Selbst auf längeren Strecken, bewährt sich das E-Auto mittlerweile – solange du kurze Pausen einkalkulierst.

Mythos 4: E-Autos sind unsicherer und brennen schneller.

Diese Aussage gehört definitiv ins Reich der Legenden und Mythen ohne wahren Kern. Die Sicherheit von Elektrofahrzeugen wird nach den identischen Standards und Normen bewertet wie bei Verbrennern. Fakt ist, dass bis heute noch kein E-Auto bei einem Euro NCAP-Crashtest durchgefallen ist. Im Gegenteil: Mehrere Modelle von Tesla landeten – in guter Gesellschaft mit Fahrzeugen etwa von BMW – unter den besten ihrer Klasse. Alle Infos zum Ranking und den Sicherheitsanforderungen beim Euro NCAP-Crashtest findest du hier. Hat eine Batterie nach einem schweren Unfall erst Feuer gefangen, benötigt es in der Tat spezielle Methoden und Maßnahmen, um sie zu löschen – gefährlicher macht das das Fahren mit einem Elektrofahrzeug allerdings nicht. Beim sachgemäßen Umgang mit dem Fahrzeug und den Bauteilen geht auch vom Hochvoltsystem der Batterie keine Gefahr aus – bei einem Unfall wird der Stromfluss zu den elektrischen Komponenten des Autos sofort automatisch getrennt.

Mythos 5: Es gibt zu wenig Ladesäulen.

Hier gibt es ein definitives Ja. In der Tat ist die Dichte der Ladesäulen aktuell noch zu gering. In Zahlen ausgedrückt: Rund 33.000 öffentliche Ladepunkte gibt es derzeit in Deutschland, vermeldet das European Alternative Fuels Observatory. Zwar tut sich auf diesem Feld bereits einiges – zum Vergleich: Noch 2015 gab es erst knapp 5.000 öffentliche Ladesäulen, doch wird sich die Zahl in den nächsten Jahren vervielfachen müssen. Den Bedarf und die Notwendigkeit hat auch die Bundesregierung erkannt. Das Klimaschutzprogramm sieht einen schnellen und bundesweit flächendeckenden Ausbau vor. So sollen bis Ende 2022 noch 50.000 Ladesäulen hinzukommen. Im Jahr 2030 will man sogar die ehrgeizige Zahl von einer Million öffentlicher Ladepunkte erreicht haben. Bei dieser Debatte muss man eines jedoch stets bedenken: Wenn du dein E-Auto vor allem nutzt, um täglich zu deiner Arbeitsstelle zu pendeln (die im besten Falle Ladesäulen zur Verfügung stellt), hat das öffentliche Ladenetz wenig Einfluss auf dein Fahrverhalten. Relevant wird dieses vor allem bei langen Fahrten, zum Beispiel in den Urlaub oder zum Besuch bei den Schwiegereltern.

Welches E-Auto passt zu mir?

Jetzt in einer Minute Top-Empfehlungen erhalten.

E-Auto finden
34 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

facebook instagram twitter youtube linkedin xing envelop hilfe login menu burger phone messenger whatsapp mail kwk gas strom waermestrom more playbutton loading-indicator