Ein E-Bike gebraucht kaufen – darauf muss man achten.

Leichtfüßig und schnell jede Steigung zu bewältigen hat seinen Preis. Deshalb gehen immer mehr Menschen dazu über, ein E-Bike gebraucht zu kaufen. Doch worauf muss man achten und was sind die Fallstricke, die man kennen sollte? Die wichtigste Regel: Wer ein E-Bike gebraucht kaufen möchte, sollte genau hinsehen und nachfragen, sonst zahlt man am Ende schnell drauf. Ein Bauteil steht dabei ganz besonders im Fokus: die Batterie.

E-Bike gebraucht kaufen.

Ihren Ruf als Fortbewegungsmittel für betagtere Menschen haben E-Bikes längst abgelegt. Dafür sorgen nicht zuletzt spektakuläre Events wie die Deutsche E-Bike Meisterschaft, bei der es mit elektrisierten Mountainbikes über anspruchsvolle Strecken quer durch bergiges Terrain geht. Doch ob man waghalsig über schmale Trails brettert, mit dem klappbaren E-Bike auf City-Tuchfühlung geht oder einen gemütlichen Ausflug durch den heimischen Wald oder um den örtlichen See machen möchte, der Kaufpreis eines neuen E-Bikes beginnt bei etwa 1600 Euro und steigt je nach Anspruch und Qualität schnell auf über 3000 oder für Profi-Modelle über 5000 Euro.

Immer mehr Menschen gehen deshalb dazu über, E-Bikes gebraucht zu kaufen. Insbesondere wer auf hohe Qualität oder Marken wie Specialized oder Cannondale zu niedrigen Preisen aus ist, wird bei lokalen Händlern oder im Internet fündig und steht vor der Frage: Worauf muss ich eigentlich achten?

Wer sich noch nicht sicher ist, ob er eigentlich ein E-Bike, ein Pedelec oder gar ein S-Pedelec anschaffen möchte – und wo da eigentlich der Unterschied liegt –, findet hier unsere E-Bike-Kaufberatung.

Der Knackpunkt ist die Batterie.

Eines der wichtigsten Verschleißteile eines E-Bikes ist die Batterie. Da sie zugleich eines der teuersten Bauteile ist, lohnt es sich gleich doppelt, hierauf zu achten. Zwei Dinge sind wichtig zu wissen: 1. Wie alt ist die Batterie? 2. Wie viele Ladezyklen hat sie – schätzungsweise – hinter sich? Denn nach etwa 650 Ladezyklen sollte der Akku getauscht werden. Doch auch unabhängig von diesen Ladezyklen lässt sich sagen, dass die Batterie eines E-Bikes etwa fünf bis sechs Jahre hält. Danach sinkt ihre Kapazität merklich ab; selbst wenn sie voll geladen ist, hat sie nach dieser Zeit häufig weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Maximalreichweite. Wer also unbedarft zu seiner gewohnten Tour startet, muss womöglich nach der Hälfte deutlich kräftiger und ohne elektrische Unterstützung in die Pedale treten.

Die sechs Jahre alte Batterie, die höchstens 50 Ladezyklen erlebt hat und immer in der Garage stand, muss also ebenso bald getauscht werden wie die erst zwei Jahre alte, die täglich zum Einsatz kam und mindestens einmal pro Tag komplett leergeradelt und wieder geladen wurde.

Die meisten Original-Ersatzteile für E-Bike-Akkus liegen preislich zwischen 450 und 700 Euro. Kaufe ich also ein etwa sechs Jahre altes E-Bike, dessen Batterie noch nie getauscht wurde, muss ich die Kosten hierfür in den nächsten Monaten sicherlich selbst in die Hand nehmen und sollte das in die Kaufüberlegungen einbeziehen.

Auch die Bauart der Batterie spielt hier eine Rolle. Während ältere Modelle häufig mit Nickel-Cadmium-Akkus (NiCd) ausgestattet sind, greifen Hersteller mittlerweile eher auf Lithium-Ionen- (Li-Ion) und Lithium-Polymer-Akkus (LiPo) zurück. Diese sind robuster, wenn sie nur teilweise entladen sind und aufgeladen werden. Die sogenannten Teilladungen sind für die älteren NiCd-Akkus schädlich und führen zu einem schnelleren Kapazitätsverlust.

Nahaufnahme einer E-Bike-Batterie während des Ladevorgangs.
Nach etwa 650 Ladezyklen sollte der Akku getauscht werden.

Der Klassiker: Sturzschäden.

Wie bei konventionellen Fahrrädern sollte auch bei gebrauchten E-Bikes auf sichtbare Schäden, beispielsweise von Stürzen, geachtet werden. Insbesondere an Carbon-Bauteilen können hier kleinste Risse und Dellen später zu großen Problemen führen. Carbon gilt als extrem leichtes und widerstandsfähiges Material, doch ist seine Struktur angegriffen und sind einzelne Carbon-Fasern gerissen, kann das gesamte Bauteil bei der Fahrt über eine Bodenwelle oder Wurzel brechen. Wer ein E-Bike gebraucht bei einem Händler oder einer Privatperson kauft, sollte es genau unter die Lupe nehmen.

Die üblichen Verdächtigen: Bremsen, Kette, Schaltung, Reifen.

Bis auf die Batterie unterscheiden sich die meisten Verschleißteile bei einem E-Bike kaum von denen eines herkömmlichen Fahrrads. Auch der Motor gilt als solides Bauteil, das – abgesehen von Sturzschäden – keiner genaueren Untersuchung bedarf. Da E-Bikes jedoch je nach Bauart schnell hohe Geschwindigkeiten erreichen können, sollten die Bremsen genau geprüft und am besten getestet werden. Bremsscheiben sollten nicht verbogen oder verzogen sein, der Bremsbelag mindestens noch drei Millimeter dick sein. Bei einer Probefahrt sollten auf jeden Fall alle vorhandenen Gänge in allen unterschiedlichen E-Modi probiert werden, um die Funktionsfähigkeit der Schaltung zu prüfen. Wie bei herkömmlichen Fahrrädern sollten die Reifen noch mindestens zweieinhalb Millimeter Profil haben. Ein Blick auf die Kette verrät ihren Zustand: Ist sie gepflegt, gefettet, hängt sie nicht durch und hat keine rostigen Stellen, so ist das ein gutes Zeichen.

Niemals ohne: Probefahrt und Service-Heft.

Eine Probefahrt sagt viel über den Zustand eines E-Bikes aus. Wie schnell greifen die Bremsen? Funktioniert der Motor einwandfrei? Höre ich seltsame Geräusche, oder läuft das Rad unrund? Wer selbst nicht sehr viel Erfahrung hat, sollte zur Probefahrt am besten einen E-Bike-erfahrenen Bekannten mitnehmen und ihn nach seiner Meinung fragen. Aber meist ist auch schon das eigene Bauchgefühl ein guter Kompass. Größere Sicherheit gibt freilich ein ordentlich gepflegtes Serviceheft. Dieses sollte beim Kauf eines gebrauchten E-Bikes immer dazugehören. Ähnlich wie beim Auto geht hieraus hervor, ob das Rad regelmäßig und von einem Fachhändler gewartet wurde.

E-Bike-Fahrer steht mit seinem Rad in einem Tunnel.
Eine Probefahrt sagt viel über den Zustand eines E-Bikes aus – niemals ohne!

Internet, Händler oder Privatkauf? Die Vor- und Nachteile.

Generell gilt: Wer von einer Privatperson und nicht über das Internet kauft, kann sich das Rad zwar vor dem Kauf ausgiebig anschauen, hat dann jedoch keinerlei Garantie oder Gewährleistung. Anders sieht das bei einem Fachhändler aus, der für mindestens ein Jahr die Gewährleistung übernehmen muss. Mängel und größere Schäden durch den Vorbesitzer können dadurch zwölf Monate lang beanstandet werden. Wer sein gebrauchtes E-Bike über das Internet kauft, hat zudem die Möglichkeit, es innerhalb von 14 Tagen zurückzuschicken (ehemaliges Fernabsatzgesetz, heute §312 BGB).

Hoher Wertverlust und Schnäppchen vom Vorjahr.

Ob teuer oder günstig, Profi-Modell oder E-Bike von der Stange: Der Wertverlust ist noch immer sehr hoch. Experten gehen davon aus, dass ein E-Bike im Schnitt innerhalb von ein bis zwei Jahren etwa die Hälfte seines Werts verliert.

Generell gilt: Am wertstabilsten sind E-Bikes namhafter Hersteller für einen breiten Einsatzzweck. Beispielsweise das BMW Active Hybrid oder auch ein Husqvarna Gran Tourer. Während E-Bikes von der Stange oder aus dem Discounter schnell an Wert verlieren, sind Profi-Räder etwa von Specialized auch als Second-Hand-Räder noch stark gesucht. Aufgrund ihres Einsatzes auf Renn- und Downhills-Strecken erfahren sie durch Stürze und äußere Schäden jedoch schnell einen hohen Wertverlust.

Alternativ zum gebrauchten E-Bike kann man daher ebenfalls sehr gute Schnäppchen bei Vorjahresmodellen machen – und da diese meist den größten Preissturz bereits hinter sich haben, bleiben sie weitestgehend wertstabil.

Checkliste für den Kauf gebrauchter E-Bikes.
  • Batterie: Ist sie über 6 Jahre alt oder schon mehr als 650 Mal geladen worden, muss sie bald getauscht werden.
  • Motor: Sollte keine größeren äußeren Schäden aufweisen oder seltsame Geräusche beim Fahren machen.
  • Schaltung: Alle Gänge durchprobieren. Auf auffällige Geräusche und eventuelles Verhaken achten.
  • Bremse: Sind die Bremsscheiben verbogen? Ist der Bremsbelag mindestens 3 Millimeter dick?
  • Kette: Sollte keine Roststellen haben und nicht durchhängen.
  • Schäden: Äußere Schäden sind vor allem bei Carbonteilen schlecht.
  • Serviceheft: Rad sollte regelmäßig gewartet worden sein.
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