Elektro-Motorrad: Wo stehen Entwicklung und Vermarktung?

Die Zahl der Elektroautos auf deutschen Straßen steigt. Richtige Exoten sind aber Elektro-Motorräder. Wie sieht es überhaupt aus mit dem Angebot in diesem Marktsegment? Welche Hersteller mischen mit und welche Modelle gibt es?

Entwicklung der Elektro-Motorräder.

Seit der EICMA 2019, eine der weltweit größten Motorrad-Messen in Mailand, wissen wir, dass Elektro-Motorräder stark im Kommen sind. Neben den zwei bekannten Marken KTM und Harley-Davidson befassen sich immer mehr Hersteller mit der Entwicklung und Produktion von Elektro-Motorrädern. Dabei bietet Energica die E-Bikes mit den größten Reichweiten und Zero hat die größte Produktpalette. Preislich und technisch interessant sind auch die Maschinen einiger kleiner neuer Marken.

Die großen Marken als Vorreiter.

KTM hat bereits einige Elektro-Motorräder auf dem Markt: Freeride E-SM, E-SX und E-XC. Der Elektromotor der 111 kg leichten E-XC verfügt über 18 kW (24,5 PS), die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h und die Reichweite liegt bei 77 Kilometern. Oder eine Akkuladung reicht für 90 Minuten Fahrspaß im Gelände. Man munkelt, dass als nächstes Modell eine E-Duke geplant ist.

Der legendäre US-Motorradhersteller Harley-Davidson will ebenfalls im E-Mobility-Segment mitmischen und ein Elektro-Motorrad in Serie bauen. Der elektrische Powercruiser LiveWire beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 3 Sekunden und lädt die Batterie per Schnellladung auf 80 Prozent in 40 Minuten. Mit 55 kW (74 PS) Motorleistung bietet die Maschine 225 Kilometer Reichweite. Der stolze Startpreis liegt bei knapp 33.000 Euro.

Straßenmarkierung für eine Ladestation für E-Motorräder
Die Zahl der E-Motorräder auf den hiesigen Straßen nimmt derzeit stark zu.

Der kalifornische Hersteller Zero Motorcycles produziert ausschließlich Elektro-Motorräder, und das bereits seit 2006. Eines der aktuellen Bikes ist das Zero SR/F-Modell mit einer Reichweite von maximal 320 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Das neue Modell DSR Black Forest wurde speziell für den europäischen Markt und für längere Touren entwickelt. Die Polizei in Niedersachsen, unter anderem auf Borkum, wurde übrigens bereits mit Elektro-Motorrädern von Zero ausgestattet.

Die italienische Firma Energica präsentierte auf der EICMA eine große Modellpalette an sportlichen Naked Bikes. Ihre Maschinen sind die reichweitenstärksten auf dem Markt. Im Stadtverkehr sollen die Modelle Eva Ribelle, Eva EsseEsse9 und Ego mit der 21,5-kWh-Batterie bis zu 400 Kilometerweit kommen. Höchstgeschwindigkeit ist bei 107 kW (145 PS) laut Hersteller 200 km/h bzw. beim Modell Ego 240 km/h. Bei hohen Geschwindigkeiten reduziert sich allerdings die Reichweite auf knapp 180 Kilometer. Preislich starten die sportlichen Streetfighter bei rund 21.000 Euro.

Kreative Start-ups und besondere E-Modelle.

Beim Modell Giaguaro der Firma Soriano handelt es sich um eine futuristische Mischung aus einem Naked Bike und einer verkleideten Maschine. Alle drei angebotenen Varianten verfügen über ein Drei-Gang-Getriebe und eine Reichweite zwischen 120 und 160 Kilometern.

Ein weiterer italienischer E-Motorrad-Anbieter ist Tacita. Der Hersteller produziert verschiedene Modelle mit Reichweiten von 112 bis 300 Kilometer. Neu ins Programm kommen soll ein Cruiser; die T-Cruiser wird es mit drei unterschiedlichen, äußerst langlebigen Batterien geben.

Ein elektrischer Cruiser kommt von der in USA ansässigen Firma Hadin, der auf den ersten Blick wie die E-Harley aussieht, technisch aber mit 61 PS dezenter auftritt. Seine Reichweite wird mit 160 Kilometern angegeben.

Das französische Start-up Newron Motors hat ein extravagantes Elektro-Motorrad namens EV-1 vorgestellt. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch bei 220 km/h abgeriegelt. Die Reichweite soll 220 Kilometer betragen, im Stadtverkehr sollen bis zu 300 Kilometer möglich sein. Geplant ist zunächst eine Kleinserie von zwölf Exemplaren, die ab 2021 auf dem Markt kommt.

Griff und Energieanzeige an einem Elektro-Motorrad
So sieht die Energieanzeige an einem E-Motorrad aus.

Einblicke und Ausblicke.

Kawasaki steckt mitten in der Entwicklung des E-Motorrads EV Endeavor mit Vier-Gang-Getriebe. Batterieleistung sowie Verkaufsstart sind noch offen. Auch chinesische Hersteller bieten in naher Zukunft E-Bikes an: Niu präsentierte das Modell RQi-GT mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, die Reichweite wird im Stadtverkehr mit 130 Kilometern angegeben. Das kleine Start-up-Unternehmen Kitinmoto aus Hong Kong hat sich Gedanken gemacht über die Mobilität in Metropolen und für Pendler das Elektro-Motorrad UC1 entwickelt.

Lightning Motorcycles arbeitet gemeinsam mit Batterie-Forschern an einem E-Motorrad mit mehr als 800 Kilometer Reichweite. Einen Zeitrahmen für die Marktreife nennt das Unternehmen jedoch nicht. Damon Motorcycles aus Kanada hat ein Elektro-Motorrad mit herausragenden Leistungsdaten angekündigt: Das 150 kW starke Modell Hypersport soll bis zu 320 km/h schnell sein und 320 km Reichweite auf der Autobahn bieten, im Stadtverkehr sogar 480 Kilometer.

Der russische Waffenhersteller Kalaschnikow präsentierte einen Prototyp eines Elektro-Motorrads im Stil eines Coffee Racers, bis dato gibt es aber noch keine Produktionspläne.

Die Firma Regent Motorcycles aus Schweden baut ein E-Bike im Retro-Look und nennt ihr erstes Modell schlicht No.1. Das schwedische Start-up Cake bringt nach seinem im vergangenen Jahr vorgestellten elektrisch angetriebenen Offroad-Motorrad Kalk OR nun die straßentaugliche Version Kalk& in den Handel.

Aufwind könnten die E-Motorräder übrigens durch ein möglicherweise in Kraft tretendes Gesetz zur Lärmbegrenzung von herkömmlichen Motorrädern erhalten. Im Mai stimmte der Bundesrat dafür, die Geräuschemissionen für alle neuen Motorräder auf maximal 80 dB(A) zu begrenzen; nun (Stand: Juli 2020) muss die Bundesregierung entscheiden, ob sie diese Anregung verbindlich umsetzen möchte. Diskutiert wird derzeit auch über ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen. Elektromotorräder könnten als geräuscharme Alternative davon profitieren.

Elektro-Motorräder werden straßentauglich und preislich konkurrenzfähig.

Die E-Mobilität hält auch auf dem Motorradmarkt Einzug. Die INTERMOT wird 2020 zwar nicht in üblicher Form als Messe stattfinden können. Alternativ ist ein digitales Format in Vorbereitung, das zum Ende des Jahres realisiert werden soll. Es bleibt spannend, welche neuen E-Bikes dort präsentiert werden.

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