Lebensmittel nachhaltig einkaufen: Verpackungsfrei statt Plastikmüll?

Keine Macht dem Verpackungsmüll! Wer nachhaltig einkaufen möchte, kommt nicht umhin, diesem Motto zu folgen. Laut Experten ist es besonders der Abfall aus dem Supermarkt, der unserer Umwelt schadet. Wie das statistische Amt der Europäischen Union erklärt, sammeln sich jedes Jahr allein in Deutschland rund 17 Millionen Tonnen Kunststoff- und Papiermüll an – das sind mehr als 218 Kilogramm pro Kopf! Kein Wunder also, dass die „Zero Waste“-Bewegung (zu Deutsch: „Null Müll“) immer mehr Fürsprecher gewinnt und verpackungsfreie Supermärkte angesagter sind denn je.

Verpackungsfrei einkaufen – so geht’s!

In zahlreichen Städten wie Berlin, Hamburg und Frankfurt kannst du inzwischen in sogenannten „Unverpackt Läden“ shoppen, ohne dabei ein Gramm Abfall zu produzieren. Wie das funktioniert? Eigentlich ganz einfach: Die Waren – von Obst über Gemüse bis hin zu Reis, Olivenöl und sogar Shampoo – werden lose oder in Glasbehältern aufbewahrt, sodass die Kunden die gewünschte Menge selbst abfüllen können. Dafür bringst du entweder deine eigenen Behälter mit oder du kaufst sie vor Ort. Vor dem Befüllen werden die genutzten Gefäße gewogen, damit das Eigengewicht an der Kasse abgezogen werden kann und du auch wirklich nur das bezahlst, was du auch im Laden erstanden hast. Dabei musst du mit ähnlichen Preisen wie im Bio-Markt rechnen.

Deutschland kauft unverpackt.

Die Unverpackt-Läden sind auf dem Vormarsch. Noch gibt es sie nicht flächendeckend, dennoch eröffnen in immer mehr Städten Läden, die dem Verpackungsmüll den Kampf angesagt haben. Wir geben dir einen Überblick, wo du in den größten deutschen Städten unverpackt einkaufen gehen kannst.

Berlin

In Mein Markt meene Welt wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Übriggebliebenes wird zu Leckereien weiterverarbeitet und im angeschlossenen Café angeboten. Original unverpackt ist wahrscheinlich der bekannteste aller Unverpackt-Läden. Hier gibt es auch Seminare zur Gründung von Läden ohne Verpackungsmüll.

Hamburg

In den Hamburger Läden Bio.lose, Stückgut – Unverpackt einkaufen, Wohlempfinden Pur, Twelve Monkeys und Ohne Gedöns kann man nicht nur Müll-frei einkaufen, sondern lernt auf diversen Info-Veranstaltungen, Lesungen oder täglicher Kundenberatung viel über ein verpackungsfreies Leben.

München

Bei Ohne gibt es nicht nur verpackungsfreie Ware, alle Lebensmittel sind bio. Bei Plastikfreie Zone ist der Name Programm: Neben unverpacktem Einkaufen finden hier regelmäßige Diskussionsabende statt.

Köln

The Good Food ist nicht nur ein Unverpackt Laden, sondern auch ein Reste-Supermarkt: Hier bestimmst du den Preis für bereits aussortierte Ware. Bei Tante-Olga gibt es sogar Coffee-to-Go – aber nur im mitgebrachtem Becher. Bei Veedelskrämer in Ehrenfeld stellen jeden Dienstag lokale Händler ihre Produkte vor.

Die „Unverpackt Läden“ haben auch Nachteile.

Zugegeben: Möchtest du in dieser Form nachhaltig Lebensmittel einkaufen, erfordert das einiges an Organisation und Flexibilität. Zudem wird nach wie vor kontrovers diskutiert, ob es hygienisch wirklich einwandfrei ist, sämtliche Lebensmittel unverpackt zu verkaufen. Vor allem beim Verkauf an der Fleisch- und Käsetheke gibt es strenge Hygienevorschriften. Ein vom Kunden mitgebrachter Behälter darf nicht einfach über die Theke gereicht und bei der offen gelagerten Ware platziert werden – schließlich könnten sich an dem Gefäß Bakterien und Keime befinden.

Hinzu kommt, dass ohne eine Verpackung sowohl der Transport als auch die Lagerung der Ware erschwert werden – insbesondere bei Milchprodukten wie Joghurt oder Butter bzw. bei flüssigen Lebensmitteln wie Getränken, aber auch Öl und Essig. Die Transportwege können sich demnach aufwendiger gestalten und die Logistik komplizierter werden. Dadurch wird die Umwelt nicht geschont, sondern stärker belastet. Außerdem fehlen mit der Verpackung auch Angaben zu Inhaltsstoffen und Mindesthaltbarkeitsdaten.

Frau kauft Lebensmittel nachhaltig an einer Frischetheke im Supermarkt ein

Nachhaltiges Einkaufen ist trotzdem Trend.

Verpackungsfreies Einkaufen birgt also einige Schwierigkeiten. Verbraucher schreckt diese Tatsache jedoch offenbar nicht ab. Im Gegenteil: Die meisten Menschen scheinen sehr interessiert an Nachhaltigkeit. Eine Forsa-Umfrage ergab sogar, dass 66 Prozent der Deutschen großen Wert darauf legen, dass die von ihnen gekauften Produkte umweltverträglich sind. Diese Aussage deckt sich auch mit den Entwicklungen seit der Einführung der Bezahlpflicht für Plastiktüten im Frühjahr 2016. Viele Kunden denken inzwischen um und bringen einfach ihre eigenen Stoffbeutel mit zum Einkauf. Das zeigt Wirkung, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) berichtet. So wurde 2016 laut dem HDE in Deutschland ein Drittel weniger Kunststofftragetaschen ausgegeben als noch im Jahr zuvor.

Ziehen große Supermärkte jetzt nach?

Das Interesse am nachhaltigen Einkaufen ist auch den großen Discountern nicht entgangen. Im Gegensatz zu den meist kleineren „Unverpackt Läden“ können sie ihren Kunden eine deutlich größere Produktauswahl und ein unkompliziertes Kauferlebnis bieten. Doch genau dort liegt auch die größte Hürde. Denn aufgrund der Warenvielfalt können große Supermärkte bislang nicht komplett auf Verpackungen verzichten. Nicht nur, dass viele Produkte aus dem Ausland kommen und der Einzelhandel hierzulande deshalb nur wenig Einfluss auf die Verpackungsbestimmungen hat – auch der Transport und die Lagerung solcher Warenmengen gestaltet sich ohne Verpackungen sehr schwierig.

Dennoch machen erste Supermärkte bereits vor, dass auch große Läden etwas tun können, um der Verpackungsflut Herr zu werden. Es gibt einige spannende Pilotprojekte zum nachhaltigen Einkauf.

Bio-Schale aus Karton mit Grasanteil

Verpackungen aus Gras.

In ausgewählten Rewe- und Penny-Märkten kannst du testweise Äpfel kaufen, die nicht in Kunststoff gehüllt sind, sondern in eine naturbelassene Verpackung aus 60 Prozent Holz und 40 Prozent getrocknetem Gras. Die Produktion der Graspellets verbraucht nur wenig Energie und Wasser und verzichtet außerdem auf jegliche Chemie. Davon abgesehen ist Gras ein schnell nachwachsender Rohstoff.

Etikett-Laseraufdruck auf Suesskartoffel und Avocado

„Natural Branding“: Laser-Male statt Etikett.

In einigen Rewe-Märkten findest du außerdem Bio-Obst und -Gemüse mit sogenanntem „Natural Branding“. Dabei werden die Lebensmittel nicht in Kunststoff verpackt, sondern mit einem Laseraufdruck versehen, der alle wichtigen Informationen enthält. Da hierbei lediglich einige Pigmente der Schale entfernt werden, soll sich die Prozedur nicht auf Qualität oder Geschmack der Lebensmittel auswirken. Umfangreich getestet wurde das Verfahren allerdings noch nicht. Dennoch: Wenn das Konzept beim Kunden ankommt, könnten die Tests ausgeweitet werden.

Frische Lebensmittel in der eigenen Box.

Drei Rewe-Märkte in Dortmund wagen das Experiment: Lebensmittel aus der Frischetheke können hier in die vom Kunden mitgebrachten Vorratsdosen abgepackt werden. Normalerweise werden die Waren aus der sogenannten Servicetheke oftmals in Papier und Plastiktüten eingepackt und mit dem Bon versehen, bevor der Kunde die Ware an der Kasse bezahlt. Hygienische Vorschriften haben keine umweltbewusste Lösung zugelassen. In Absprache mit den entsprechenden Ordnungsämtern probieren es die Rewe-Märkte jetzt ohne Verpackungsmüll: Die Kunden-Behälter werden dabei vom Personal auf einem Tablett angenommen und kommen nur mit der gewünschten Ware in Berührung. Der Kunde muss die Dose selbst verschließen und mit dem Kassenbon versehen. Das Konzept ist in der Testphase – wie gut es funktioniert, wird sich zeigen.

Kann ich auch im Netz nachhaltig einkaufen?

Eines gestaltet sich nach wie vor sehr schwierig, ja beinahe unmöglich: online verpackungsfrei einkaufen. Bisher wurde offenbar noch kein effektiver Weg gefunden, um Lebensmittel unverpackt und dennoch in einwandfreiem Zustand bis an die Wohnungstür zu liefern. Während Discounter-Ketten online bisher überhaupt keine Waren unverpackt anbieten, kannst du über die Online-Shops der „Unverpackt Läden“ immerhin Produkte wie feste Seife, Strohhalme aus Edelstahl oder auch Zahnpasta am Stiel erstehen.

Nahaufnahme Strohhalme

Wie kann ich Plastikmüll vermeiden?

Wenn du in deiner Stadt nicht die Möglichkeit hast, nachhaltig oder verpackungsfrei einzukaufen, kannst du trotzdem etwas für die Umwelt tun. Frag dich einfach immer wieder: Wie kann ich Plastikmüll vermeiden? Auch kleine Schritte können eine große Wirkung erzielen. So hilft es schon, wenn du eine eigene Tragetasche zum Einkaufen mitnimmst. Oder aber darauf achtest, die Äpfel lose zu kaufen anstatt eingeschweißt in einem Zehnerpack. Dass du dann natürlich auch auf die Plastiktüten, die überall in den Obst- und Gemüseabteilungen zur Verfügung stehen, verzichten solltest, versteht sich von selbst. Dadurch schonst du nicht nur die Umwelt, du musst auch deutlich seltener den Müll rausbringen.

Wie funktioniert der Zero-Waste-Trend?

Recycling war gestern?! Immer mehr Menschen schließen sich der Zero-Waste-Bewegung an – sie alle haben sich dem „Precycling“ verschrieben. Was das bedeutet? Statt Abfall wiederzuverwerten, versuchen sie, erst gar keinen Müll zu produzieren. Das erreichst du unter anderem, indem du diese Regeln befolgst:

  • Es wird ausschließlich ohne Verpackung eingekauft. Also in den „Unverpackt Läden“, auf dem Markt und bei ähnlichen Anbietern.
  • Für den Kaffee to go am Morgen bringst du einen eigenen Becher mit. Die Brötchen vom Bäcker lässt du dir in den mitgebrachten Jutebeutel packen.
  • Im Haushalt wird kein Kunststoff verwendet. Papiertaschentücher werden also durch Stofftücher ersetzt und die Plastikzahnbürste durch eine hölzerne.
  • Statt deine Möbel in Pappe und Plastik verpackt im Einrichtungshaus zu kaufen, shoppst du nur auf dem Flohmarkt oder über Online-Tauschbörsen.
  • Do-it-yourself! Oft werden Hygiene-Artikel wie Zahnpasta (z.B. aus Natron und Stevia oder Heilerde) einfach selbst hergestellt. Das Shampoo wird auch gern mal durch Roggenmehl ersetzt.

Wenn elektronische Geräte wie der Computer kaputt gehen, werden sie nicht einfach entsorgt, sondern auf einer Sharing-Plattform angeboten. Dort findet sich garantiert jemand, der den PC reparieren oder die Einzelteile nutzen kann.

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