Nacktmull: Superheld unter den Nagetieren.

Extreme Temperaturschwankungen, Sauerstoffmangel und ein karges Nahrungsangebot – mit diesen Widrigkeiten ist der Nacktmull täglich konfrontiert. Er lebt in den Halbwüsten Ostafrikas, wo er in großen Kolonien in unterirdischen Tunnelsystemen haust. Gesellschaftsordnung: Matriarchat. Mehr über den außergewöhnlichen Nager erfährst du hier.

Nacktmull-Steckbrief
  • Name: Nacktmull (lat. Heterocephalus glaber)
  • Ordnung: Nagetiere
  • Verwandte: Meerschweinchen, Baumstachler, Chinchillas
  • Größe: 5 bis 15 Zentimeter
  • Gewicht: 30 bis 50 Gramm
  • Alter: max. 30 Jahre
  • Aussehen: spärliche Behaarung, unausgebildete Augen und Ohren, lange Schneidezähne
  • Verbreitung: Halbwüsten Ostafrikas (Somalia, Äthiopien, Kenia)
  • Lebensraum: unterirdische Kolonien
  • Ernährung: Wurzeln, Knollen, eigener Kot
  • Natürliche Feinde: Schlangen

Unbreakable Nacktmull: 5 Gründe, warum der Nager nahezu unkaputtbar ist.

1. Slow Ageing: Nacktmull wird 30 Jahre alt.

Die Körperzellen des Nacktmulls altern erstaunlich langsam, sodass er eine verhältnismäßig hohe Lebenserwartung hat. Bis zu 30 Jahre kann der Nager alt werden. Zum Vergleich: Meerschweinchen haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 8 Jahren. Chinchillas können immerhin bis zu 20 Jahre alt werden. Mäuse, Ratten und Hamster segnen meist schon nach zwei Jahren das Zeitliche.

2. Tumorfrei: Nager resistent gegen Krebs.

Das langsame Altern der Körperzellen beim Nacktmull hat einen besonderen Vorteil: Seine Zellen mutieren nicht so leicht, Tumore entstehen sehr selten. Daher ist der Nacktmull nahezu immun gegen Krebs. Andere Nagetiere, zum Beispiel Ratten, sind dagegen äußerst anfällig für Tumorerkrankungen. Das erklärt auch ihre deutlich geringere Lebenserwartung.

3. Unempfindlich: Nacktmull kennt keinen Schmerz.

Und noch eine Superkraft des Nacktmulls: Schmerzresistenz. Den Nagern fehlt ein bestimmtes Molekül in ihrer Haut, das für ein hohes Schmerzempfinden sorgt. Schmerzreize spüren Nacktmulle erst, wenn sie sehr stark sind. Extreme Temperaturschwankungen stören die mutigen Tunnelgräber ebenso wenig. Vergleichbar mit Reptilien passen sie ihre Körpertemperatur einfach an die Umgebungstemperatur an. Ihre Komfortzone liegt zwischen zwölf und 32 Grad Celsius.

4. Langer Atem: Er überlebt 18 Minuten ohne Sauerstoff.

Wer braucht schon Luft zum Atmen? Nicht der Nacktmull! Zumindest kommt er eine Weile ohne Sauerstoff aus – was in den unterirdischen Labyrinthen von Vorteil ist. Einerseits kann er viel Sauerstoff aufnehmen und speichern. Andererseits hat er eine niedrige Atemfrequenz, sodass er nur wenig von seinen Sauerstoffreserven verbraucht. Fällt kurzfristig die Sauerstoffversorgung ganz aus, kann der Nacktmull auf diese Weise bis zu 18 Minuten ohne Sauerstoff überleben. Er verfällt dann in eine Art Starre, fährt seinen Puls runter und atmet ganz langsam. Steht wieder ausreichend Atemluft zur Verfügung, ist der Nacktmull sofort wieder munter.

5. Kein Ko(s)tverächter: Nacktmull frisst seinen eigenen Kot.

Der Nacktmull hat sich perfekt an das Leben in der Wüste angepasst: Flüssigkeit benötigt er kaum. Das bisschen Wasser, das er braucht, bezieht er aus seiner Nahrung: Wurzeln und Knollen. Außerdem leben im Blinddarm des Nagers nützliche Bakterien, die dabei helfen, die wenigen Nährstoffe aus der kargen Kost besser aufzuspalten. Der Nacktmull verzehrt außerdem seinen eigenen Kot, um die restlichen Nährstoffe daraus auch noch aufzunehmen.

Nacktmull-Lifestyle: Leben im Matriarchat.

Der Nacktmull ist jedoch nicht nur sehr speziell, was seinen Körper angeht. Auch sein Familienleben ist für ein Säugetier einzigartig. So wohnen Nacktmulle in großen Gruppenverbänden zusammen. Diese sind wie ein autokratischer Staat unter matriarchalischer Herrschaft organisiert – ähnlich einem Bienenvolk. Für den Nachwuchs sorgt in der Regel ganz alleine die Nacktmull-Königin, die ihr Privileg mit Vehemenz zu verteidigen weiß.

Sozialverhalten der Nagetiere: Leben wie im Bienenstock.

20 bis 300 Tiere leben für gewöhnlich in einer Nacktmull-Kolonie zusammen. Die Aufgabenverteilung ist streng geregelt. Zu den möglichen Nacktmull-Berufen zählen:

  • Arbeiter
  • Wachposten
  • Kinderbetreuung
  • Königin

Die Arbeiter graben die Gänge, die Wachposten passen auf, dass keine fremden Nacktmulle aus anderen Gruppen oder Fressfeinde wie Schlangen in die Behausung eindringen. Außerdem helfen Sie dabei mit, das Baumaterial, das beim Graben anfällt, nach draußen zu befördern. Übrigens: Ihr unterirdisches Labyrinth graben Nacktmulle nicht mit den Klauen, sondern mit den Zähnen. Sie dienen in Zusammenarbeit mit der kräftigen Kaumuskulatur der Tiere als Schaufel, um sich durch den harten Wüstenboden durchzugraben. Für die Kinderbetreuung werden meist junge Nacktmulle eingeteilt. Die Heranwachsenden passen auf die Nacktmull-Babys auf und betreiben Brutpflege. Es besteht aber die Möglichkeit, mit zunehmendem Alter einen der anderen Nacktmull-Berufe zu ergreifen. Einzig die Königin hat eine Vormachtstellung inne.

Nacktmull-Babys: Nur die Königin darf Mutter werden.

Die Nacktmull-Königin ist das einzige fruchtbare Weibchen einer Kolonie. Sie ist größer und länger als ihre Untertanen und hat eine gebogene Wirbelsäule. So hat jedes ungeborene Nacktmull-Baby ausreichend Platz im Mutterleib. Sie wächst mit zunehmender Trächtigkeit in die Länge, damit sie sich trotz ihrer besonderen Umstände noch durch die Gänge bewegen kann. Wenn die Königin beschließt, dass es an der Zeit für neuen Nacktmull-Nachwuchs ist, sucht sie sich ein bis drei Männchen zur Paarung aus. Kurios: Haben die Männchen ihre Rolle als Erzeuger von Nacktmull-Babys erfüllt, altern sie plötzlich schneller.

Ihre Majestät duldet keine Konkurrenz und tritt ihren unfruchtbaren Kindern gegenüber sehr aggressiv auf. Es wird vermutet, dass das zu Dauerstress bei den Untergebenen führt, sodass ihre Geschlechtsorgane nicht richtig reifen. So bleibt gewährleistet, dass jeder Nacktmull seine Aufgabe erfüllt. Nach dem Tod einer Nacktmull-Königin werden einige der Weibchen jedoch wieder fruchtbar und dann gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Nacktmull-Damen paaren sich sozusagen um die Wette mit den fruchtbaren Männchen. Und wer als erste Nacktmull-Babys bekommt, wird die neue Königin.

Bad News: Darum ist der Nacktmull als Haustier ungeeignet.

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, den faszinierenden Nacktmull als Haustier zu halten, wartet leider eine Enttäuschung auf dich. Die Lebensumstände des Nacktmulls sind so speziell, dass es für Privatpersonen nicht möglich ist, ihm ein artgerechtes Gehege zu bauen. Es gibt jedoch einige Zoos, denen es gelungen ist, einer Nacktmull-Kolonie ein angemessenes Zuhause zu bieten. Dazu gehören:

(Titelbild: Pressebild „Unterirdischer Zoo: Nacktmull“ – © Zoo Osnabrück (Stephan Schute))

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