Nikola Motors: US-Unternehmen baut E-Trucks in Ulm.

In Ulm will das US-amerikanische Unternehmen Nikola Motors ab 2021 E-Trucks für den europäischen Markt fertigen. Was ist bisher über das Modell Nikola Tre bekannt? Was macht die Konkurrenz? Und hat ein junges und weitgehend unbekanntes Unternehmen überhaupt Chancen auf dem Markt? Im Folgenden beantworten wir dir alle wichtigen Fragen!

Eine neue Alternative beim Bau von E-Trucks.

Ulm mag bisher noch nicht als Autostadt bekannt sein, doch das könnte sich in naher Zukunft ändern. Denn während in Stuttgart, Ingolstadt und Wolfsburg seit jeher an neuen Autos gearbeitet wird, schickt man sich in Ulm aktuell an, den Warenverkehr in Deutschland und sogar in ganz Europa zu revolutionieren. Denn das US-Start-up Nikola Motors will in den in Ulm ansässigen Iveco-Werken einen E-Truck mit hoher Reichweite produzieren. Der Nikola Tre könnte zu einer echten Alternative auf dem Lkw-Markt werden. Die Endmontage des E-Lasters, der in zwei Versionen auf den europäischen Markt kommen soll, wird bereits 2021 in Ulm starten. Eine Version des Lkw wird mittels Brennstoffzelle angetrieben, die andere bekommt einen batterieelektrischen Antrieb.

Der Nikola Tre: Ein Stromer aus Ulm.

Was bisher über den Nikola Tre zu erfahren ist, klingt vielversprechend. Bis zu 1.000 Kilometer Reichweite soll das Fahrzeug haben und es wird von einer Batterie mit bis zu 750 kWh angetrieben. Während der batteriebetriebene E-Truck ab Anfang 2021 produziert werden und dann im Laufe des Jahres auf den Markt kommen soll, ist die Markteinführung des Wasserstoff-Modells mit Brennstoffzelle für 2023 geplant.

Kabine des Nikola Tre
Bis es sich Trucker in der Kabine des Nikola Tre gemütlich machen können, wird es noch bis mindestens 2021 dauern (© Nikola Corporation).

Darüber hinaus gibt es nur wenige Informationen oder gar Spezifikationen zum Nikola Tre. Die Basis des Stromers soll offenbar der Iveco S-Way werden, dessen Dieselmotor durch einen 480 Kilowatt starken Elektroantrieb ersetzt wird. Bei den beiden ersten Versionen soll es sich um E-Trucks mit zwei Achsen handeln, ein weiteres Modell mit drei Achsen ist in Planung. Ab 2023 sollen in Ulm im Zuge der Produktion zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen und das Land Baden-Württemberg als Innovationsstandort gefördert werden.

Nikola Motors: Ein junges Unternehmen mit einer bewegten Geschichte.

Bei einem solch ambitionierten Projekt lohnt sich der Blick auf die Macher dahinter. Nikola Motors ist ein junges Unternehmen mit Hauptsitz in Phoenix, Arizona. Gegründet wurde es 2014. Die Gründer haben sich der Entwicklung und Produktion von Hybrid-Trucks verschrieben und blicken auf eine bewegte Firmengeschichte zurück. Nach einem zunächst erfolgreichen Börsengang im Jahr 2020 sah sich das Unternehmen mit schwerwiegenden Betrugsvorwürfen konfrontiert. Ein Investor warf dem Unternehmen und insbesondere dem (mittlerweile abgetretenen) Firmenchef Trevor Milton bewusste Täuschung vor. Schwere Vorwürfe, die nicht alle eindeutig belegbar waren, aber ausreichten, um die Aktie auf Talfahrt zu schicken. Mit der angestrebten Produktion des Nikola Tre in Ulm will man diese Vorwürfe entkräften, die sich auch auf die Entwicklung der E-Trucks bezogen. Auch der deutsche Automobilzulieferer Bosch hält Beteiligungen an Nikola Motors. Das Unternehmen aus Stuttgart soll ab 2022 die Brennstoffzellen für die Fahrzeuge aus dem Hause Nikola Motors liefern.

Neben der neuen Schwerlastflotte in Europa produziert die Firma in den USA den Pickup-Truck Badger, der mit einer Brennstoffzelle angetrieben wird. Außerdem plant sie den Bau einer Reihe von Wasserstofftankstellen im Land. Vor dem Nikola Tre arbeitete die Firma in den USA an den beiden wasserstoffbetriebenen Vorgängermodellen Nikola One und Nikola Two, die mit einer Reichweite von bis zu 1.600 Kilometern auf sich aufmerksam machten.

Nikola Badger Pickup-Truck im Gelände
Neben E-Lkws hat Nikola Motors zum Beispiel in den USA auch einen Pick-up im Angebot (© Nikola Corporation).

Hauptkonkurrent Tesla

Die Konkurrenz für Nikola Motors im Segment der E-Trucks ist zumindest in Europa überschaubar. Zuallererst ist natürlich Tesla zu nennen. Mit dem kalifornischen Unternehmen verbindet Nikola Motors nicht nur der berühmte Name, sondern auch ein Rechtsstreit. Nikola Trucks warf Tesla vor, das Design des Nikola One kopiert zu haben. Tatsächlich ist der Tesla Semi aktuell die stärkste Konkurrenz für den Nikola Tre. Der E-Truck von Tesla soll für eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern ausgelegt sein.

Die deutschen Mitbewerber im Segment der E-Trucks sind hingegen noch keine Gefahr. Hersteller wie MAN oder Daimler setzen nach wie vor auf Dieselantriebe und wagen sich nur zögerlich an Hybrid- oder rein elektrische Antriebe heran. Gerade mit Blick auf die europäischen Emissionsziele wird die E-Mobilität und speziell der Lieferverkehr in Groß- und Innenstädten aber eine große Rolle spielen. Die aktuelle Lücke will neben Tesla nun auch Nikola Motors füllen und damit die Verbrenner-Platzhirsche herausfordern.

Nikola Two im Sonnenuntergang an einer Landstraße
Das Vorgängermodell des Nikola Tre ist der Nikola Two (© Nikola Corporation).

Nikola E-Trucks: Am Ende entscheidet die mögliche Zuladung.

Die bisherige Geschichte von Nikola Motors zeigt vor allem, dass es dem Unternehmen und seinen führenden Köpfen nicht an Selbstbewusstsein mangelt. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern wie der Iveco-Mutter CNH Industrial, Bosch und General Motors, die eine enge Zusammenarbeit mit dem E-Truck-Unternehmen planen, könnte sich die junge Firma durchaus einen Namen machen. Das Thema E-Mobilität wird in den kommenden Jahren europaweit eine große Rolle spielen und auch vor dem Segment des Warenverkehrs nicht Halt machen.

Eine wichtige Rolle wird dabei natürlich auch die zugelassene Zuladung spielen. Die EU-Kommission lässt aktuell zwar eine Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts von einer Tonne zu. Dennoch dürfte die Tatsache, dass der Nikola Tre in der Elektro-Variante rund 2,27 Tonnen mehr wiegt als die Wasserstoff-Ausführung auch Einfluss auf die zulässige Zuladung haben. Insofern bleibt abzuwarten, ob der E-Truck es in dieser Hinsicht mit Standard-Lastwagen wird aufnehmen können.

Der Tesla Semi soll 2021 kommen.

Mit dem Semi ist Tesla schon einen Schritt weiter als Nikola Motors. Die ersten Modelle konnten bereits bei Testfahrten im öffentlichen Straßenverkehr gesichtet werden. Ausgeliefert werden die E-Trucks allerdings wohl erst 2021.

Titelbild: © Nikola Corporation

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