Oculus Quest oder Playstation VR: Welche VR-Brille lohnt sich?

Mit der Oculus Quest hat der VR-Riese ein Headset für Virtual-Reality-Anwendungen auf den Markt gebracht, das es in sich hat. Die größte Stärke der Quest liegt in ihrer Selbstständigkeit. Das unterscheidet sie von einer der prominentesten VR-Brillen weltweit, der Playstation VR von Sony. Wir zeigen, wo die Unterschiede liegen, wer in welcher Disziplin die Nase vorn hat und für wen die Oculus Quest die richtige Wahl ist.

Oculus Quest: Das ist neu.

Kein leistungsstarker Rechner, keine High-End-Spielekonsole, kein integriertes Smartphone, keine Kabel: Die Oculus Quest funktioniert völlig autark. Das ist nicht komplett neu, auch VR-Headsets wie das HTC Vive Focus Plus kommen ohne angeschlossene Prozessoren und Grafikkarten aus. Die große Neuerung bei der Oculus Quest ist vielmehr die Kombination dieser Eigenständigkeit mit Hand- und Raum-Tracking. Etwas umständlich bezeichnet der Hersteller sein Produkt daher auch als „All-in-one Gaming-Headset“. Durch diese Kombination soll ein ebenso hochwertiges VR-Erlebnis und Mittendrin-statt-nur-dabei-Gefühl erreicht werden wie bei jenen Modellen, die ihre Rechenleistung vom angeschlossenen Gaming-PC oder der Spielekonsole erhalten. Ob das klappt?

Die wichtigsten Fakten zur Oculus Quest.
  • Kategorie: autarkes VR-Gaming-Headset
  • Auflösung: 1440 × 1600 Pixel pro Auge
  • Preis: 449 Euro (64 GB) oder 549 Euro (128 GB)
  • Anwendungen und Spiele: derzeit etwa 55 kostenlose und kostenpflichtige Apps und Games
  • Lieferumfang: VR-Headset, Touch-Controller, Netzteil mit USB-C-Kabel, Batterien und Brillen-Abstandhalter
Die wichtigsten Fakten zur Playstation VR.
  • Kategorie: VR-Gaming-Headset für die Playstation
  • Auflösung: 960 × 1080 Pixel pro Auge
  • Preis: ca. 285 Euro im Bundle mit VR Worlds (ohne Playstation)
  • Anwendungen und Spiele: über 500 Spiele
  • Lieferumfang des VR Worlds Bundles: VR-Headset, Prozessoreinheit, Anschlusskabel, Playstation Camera, VR World Voucher, HDMI-Kabel, USB-Kabel, Stereokopfhörer, Netzkabel, Netzanschluss

Handfeste Argumente: das Tracking.

Die Oculus Quest bedient sich des sogenannten Inside-Out-Tracking. In der Praxis sieht das so aus: Vier Kameras sind nach Außen blickend an unterschiedlichen Positionen in der Brille integriert. Diese scannen kontinuierlich den gesamten Raum um den Nutzer sowie die Position der Controller. Umgekehrt funktioniert es bei der Playstation VR. Hier wird eine Kamera auf oder vor dem Fernseher angebracht. Diese filmt die leuchtenden Kugeln auf den beiden VR-Controllern und die schmalen Leuchtbänder am Headset. Das Spielfeld beschränkt sich dadurch auf etwa 2 mal 2 Meter. Zum Vergleich: Bei der Oculus Quest kann es bis zu 10 mal 10 Meter betragen. Befinden sich die Controller hinter dem Körper des Spielers, etwa um Pfeile aus einem Köcher zu holen, erkennen das beide Systeme nicht. Die Oculus hat bei der Quest allerdings vorgesorgt und die Controller mit Gyro-Sensoren und einem Algorithmus ausgestattet, der die Bewegung vorherberechnen kann. Dadurch kommt es im Vergleich zur Playstation VR kaum zu Aussetzern.

Klares 1:0 für die Quest.

Alles im Blick: Headset und Display.

Fangen wir diesmal mit der Playstation VR an. Die gewinnt in puncto Tragekomfort. Beide Headsets kann man problemlos mehrere Stunden tragen, ohne dabei schmerzhafte Druckstellen oder Kopfschmerzen zu bekommen, und auch bei ruckartigen Kopfbewegungen bleiben beide Kandidaten perfekt an Ort und Stelle. Doch in der Justierung bietet Sonys Lösung noch mal mehr Möglichkeiten zum Feintuning und zum Anpassen an die Kopfform. Weiteres Plus im Vergleich zur Oculus Quest: Man kann das Headset mit einem leichten Abstand zum Kopf arretieren, so dass noch genügend Luft zirkulieren kann. Die Quest hat einen Klappmechanismus. Ab und zu kann man die Brille also nach oben klappen und sich wieder Luft um die Nase wehen lassen.

Was die Auflösung angeht, holt sich hingegen der Neuling, die Oculus Quest, ganz klar den Thron. Sie setzt mit 1440 × 1600 Pixeln pro Auge ganz klar die Branchen-Benchmark. Auch das Blickfeld ist etwas größer als bei der PS VR, die im Vergleich hierzu magere 960 × 1080 Pixel je Auge bietet.

Ein Punkt pro Kandidat, Zwischenstand 2:1 für die Quest.

Die Controller.

Optisch könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Sehen die Controller der Playstation VR aus wie der Griff eines Laserschwerts mit einem leuchtenden Tischtennisball obendrauf, kommen die Steuerungseinheiten der Oculus Quest eher nüchtern daher. Hier leuchtet und blinkt nichts – der offene Kreis am oberen Ende des Griffs mit den darin liegenden Knöpfen und dem Daumen-Joystick wirkt futuristisch. Für große Hände sind die Griffe jedoch ein gutes Stück zu kurz. Auch die haptische Reaktion auf Situationen im Spiel – das sogenannte Force Feedback – ist etwas zu schwach geraten. Wer beispielsweise bei Beat Saber (einer der derzeit beliebtesten VR-Anwendungen) zum Takt der Musik heranfliegende, leuchtende Blöcke zerschlagen will, hat mit den Playstation-Controllern das bessere Lichtschwert-Gefühl.

Dieser Punkt geht an die PS VR. Es steht damit 2:2.

Freiheit.

Im Garten, bei Freunden, im Wohnzimmer, in der Küche, im Zeltlager: Die Einsatzmöglichkeiten der Oculus Quest sind unbegrenzt. All-in-one eben. Dass sie völlig ohne Kabel auskommt, gibt dem Spieler ein Maximum an Freiheit. Bei der Playstation VR hingegen muss immer eine angeschlossene Spielekonsole in der Nähe stehen. Gespielt wird daher in einem Großteil der Fälle im heimischen Wohnzimmer.

Übrigens: Da bei der Oculus Quest das Kabel fehlt, bist du in der Spielzeit durch die begrenzte Akkulaufzeit eingeschränkt. Der Akku hält mindestens zwei Stunden. Viel länger nutzt du die VR-Brille aber sowieso nicht an einem Stück, da es gerade bei bewegungsintensiven Spielen schnell warm unter der Brille wird.

Deswegen: Klarer Punkt für die Oculus: 3:2.

Unter der Haube: Spiele und Power.

Das Angebot an VR-Anwendungen für die Oculus Quest ist bereits zum Start mehr als stattlich: Über 50 Games und Apps lassen sich mit der Quest benutzen. Darunter findet sich das beliebte Beat Saber ebenso wie die Box-Simulation Creed oder das kostenlose RecRoom, bei dem man in der virtuellen Welt andere Spieler kennenlernt und sich mit ihnen unterhalten kann. Auch Apps wie Netflix oder YouTube kann man auf der Oculus Quest nutzen. Wermutstropfen ist allerdings der Prozessor. In der Brille arbeitet ein Snapdragon 835 von Qualcomm. Der ist schon zwei Jahre alt und nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Das klingt schlimmer, als es ist; im direkten Vergleich – beispielsweise bei Beat Saber – sieht man allerdings, dass die PS VR hier eine bessere Leistung erbringt und mehr grafische Detailtiefe liefert.

Punkt für Sony. 3:3.

Der Preis.

Wir machen es kurz: Auch hier sichert sich die Oculus Quest den Sieg. Je nach Speichervariante kostet sie entweder 449 Euro (64 GB) oder 549 Euro für die 128 GB-Version. Hier ist schon alles dabei: Headset, die beiden Touch-Controller, USB-C-Kabel inklusive Netzteil.

Das reine Headset der Playstation VR ist zwar bereits für 200 Euro zu haben, jedoch werden zusätzlich Controller, Kamera und Playstation benötigt. So kommt man mindestens auf 600 Euro.

In dieser Kategorie holt sich die Quest den Punkt und gewinnt mit einem 4:3.

Ein Mann in Spielaktion mit der Oculus Quest VR-Brille und Controller.
Sieger im Vergleich: Die Oculus Quest. © Facebook Technologies, LLC

Fazit: Oculus Quest oder PS VR?

Wer bereits eine Playstation im Wohnzimmer stehen hat und das VR-Erlebnis nur in den heimischen vier Wänden erleben möchte, darf ruhig zur Playstation VR greifen und wird damit garantiert seinen Spaß haben. Auch wenn du besonders viel Wert auf eine große Spieleauswahl legst, ist die PS VR klar im Vorteil, da es hier bereits eine Vielzahl von Spielen gibt, Tendenz steigend. Wer du hingegen eine komplette Neuanschaffung planst, flexibel und unabhängig von Spielekonsolen und Computern sein möchtest, dann solltest du dich in jedem Fall für die Oculus Quest entscheiden. Das System bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, ist auf dem neuesten Stand der Technik und bietet echtes VR-Gaming-Vergnügen. Auch hier sind neben den über 50 existierenden Spielen bereits viele weitere Veröffentlichungen für die Zukunft geplant.

Titelbild: © Oculus

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