Solar City und die Photovoltaik-Pflicht für Neubauten.

In einigen deutschen Bundesländern müssen Bauherren künftig für ihren Neubau eine Photovoltaik-Anlage einplanen. Bremen, Baden-Württemberg und Berlin machen es vor. Der Grund: das derzeit sehr populäre Streben in Deutschland nach Solar Cities. Was hat es damit auf sich?

Solar City: Das Konzept.

Das Konzept der Solar City und die damit verbundene Photovoltaik-Pflicht für Neubauten basieren auf dem Leitgedanken, den Klimawandel zu stoppen. Das funktioniert unter anderem nur dann, wenn ein Ausstieg aus der fossilen Energie gelingt – und dafür müssen teilweise noch soziale und rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Für Kommunen bedeutet das unter anderem, ungenutzte Freiflächen auf öffentlichen, gewerblichen und privaten Gebäuden effizienter zu nutzen. So könnten zum Beispiel Schulen oder Hochschulen bald mit Solarmodulen ausgestattet werden. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es ausreichend Förderprogramme und genügend kompetentes Personal für die individuelle Prüfung der vorhandenen Bedingungen auf den Dachflächen gibt – dies könnte beispielsweise in einer Photovoltaik-Pflicht geregelt sein.

Mit Solar Cities und einer Photovoltaik-Pflicht für Neubauten können Städte einen enormen Beitrag zur erneuerbaren Stromerzeugung leisten. Denn zum jetzigen Zeitpunkt ist das Potenzial für Sonnenenergie noch längst nicht ausgeschöpft. So ist mit der Einführung einer PV-Anlagen-Pflicht laut Berechnungen eine Leistung von 1.550 MW und eine Stromerzeugung von 1.410 Gigawattstunden möglich – und das pro Jahr und allein auf den Dachflächen von Bremen und Bremerhaven.

Wie viel Potenzial Neubau-Dachflächen in Deutschland für Photovoltaik-Anlagen bieten, zeigt der Solarcheck 2020 von Statista und LichtBlick. In dieser Untersuchung wurden die 16 größten deutschen Städte und ihre Nutzung von Neubau-Dachflächen für die Photovoltaik unter die Lupe genommen. Dabei kam heraus, dass selbst in Städten wie Nürnberg, Hannover oder Leipzig mehr als 50 Prozent Neubauten-Potenzial liegenbleibt – und das obwohl dort schon jetzt vergleichsweise viel in Photovoltaik investiert wird.

Bauarbeiter vor einem Wohnhaus mit Solarzellen
Ungenutzte Freiflächen auf öffentlichen, gewerblichen und privaten Gebäuden bieten großes Potenzial für die nachhaltige Stromerzeugung.

Solar-City-Idee aus den USA.

Das Konzept der Solar Cities wurde bereits 2018 im US-Bundesstaat Kalifornien eingeführt. Eine kalifornische Energiekommission schätzte damals, dass ein Einfamilienhaus dank der Photovoltaik-Pflicht durchschnittlich etwa 35 US-Dollar pro Monat an Energiekosten einsparen würde.

Als Alternative gewährte die kalifornische Energiekommission Bauherren jedoch auch die zusätzliche Möglichkeit, auf Solarenergie von einer externen PV-Anlage zuzugreifen. Das sollte in erster Linie die vielen kritischen Stimmen besänftigen, die wegen der Installationskosten einen drastischen Anstieg der Miet- und Baukosten befürchteten.

Vorreiter Baden-Württemberg.

Das Umweltministerium in Stuttgart ließ verlautbaren, dass die baden-württembergische Landesregierung eine verbindliche Photovoltaik-Pflicht für Neubauten ab 2022 planen würde. Diese Entscheidung ginge auf die Bemühungen zurück, das Klimaschutzgesetz weiterzuentwickeln und den Ausbau erneuerbarer Energien auszubauen.

Zu den Vorreitern der Photovoltaik-Pflicht für Neubauten in Baden-Württemberg zählen die Kommunen Tübingen, Konstanz und Waiblingen, die zumindest eine partielle Verpflichtung für die Installation von Solarmodulen verankert haben. Waiblingen ist bereits seit 2006 eine Solar City, Konstanz und Tübingen seit 2018. Da die Entscheidung damals nicht im Gemeinderat verabschiedet wurde, gilt die Pflicht dort allerdings nicht als rechtssicher. Nun arbeitet der Energie- und Umweltminister an der rechtlichen Grundlage für eine landesweite Pflicht. Baden-Württemberg gilt deutschlandweit als Vorreiter in Sachen Klimaschutz.

Die Photovoltaik-Pflicht für Neubauten in Baden-Württemberg soll nicht nur für private Wohngebäude, sondern auch für gewerbliche Gebäude wie Parkhäuser oder Lagerhallen eingeführt werden. Somit soll das enorme Flächenpotenzial solcher Immobilien optimal genutzt werden.

Solar-Community in Austin, Texas.
Sind Solar Cities wie hier in Austin, Texas, das Model der Zukunft?

Weitere Bundesländer ziehen nach.

Auch in weiteren deutschen Bundesländern soll die Photovoltaik-Pflicht für Neubauten eingeführt werden. Bereits im Jahr 2019 verkündete der Hamburger Senat, eine Photovoltaik-Pflicht für Neubauten zu planen, die ab 2023 für Gewerbe und Privathaushalte gelten soll. Ab 2025 soll eine Photovoltaikanlage auch bei Dachsanierungen verpflichtend sein – jedoch nur, wenn eine Erneuerung der vollständigen Dachhaut vorgesehen ist.

In Berlin finden ähnliche Diskussionen statt. Aktuell treibt die Berliner Senatorin für Wirtschaft und Energie die Photovoltaik-Pflicht für Neubauten voran. Sie ließ errechnen, dass etwa 2.400 Hektar an Berliner Dachfläche für eine Solarmodul-Pflicht infrage kommen. Somit könnte die Bundeshauptstadt ein Viertel der Wärme- und Stromversorgung mit PV-Anlagen abdecken. Die Linke fordert auch eine Photovoltaik-Pflicht für Dachsanierungen. Wann es mit der Photovoltaik-Pflicht für Neubauten in Berlin so weit sein könnte, ist gegenwärtig unklar.

Das Bundesland Bremen nimmt die Photovoltaik-Pflicht für Neubauten so ernst, dass es sogar einen Dringlichkeitsantrag stellte. Die rot-grün-rote Regierungskoalition arbeitet an einem Landesprogramm namens Solar Cities Bremen und Bremerhaven, das die Umgestaltung zu Solar Cities beschleunigen soll.

Dass die Einführung von Solar Cities und einer Photovoltaik-Pflicht für Neubauten nicht immer funktioniert, zeigte sich 2010 in Hessen: Dort scheiterte die Stadt Marburg mit ihrer geplanten Einführung einer kommunalen Photovoltaik-Pflicht für Neubauten am hessischen Landesgesetz. Grund dafür war, dass die hessische Landesregierung ihre Bauordnung reformierte und in diesem Prozess einen Paragraphen strich, der die Gemeinden dazu ermächtigte, „besondere Anforderungen an baulichen Anlagen“ zu erlassen. Stattdessen setzte man in Hessen bei Neubauten auf die Freiwilligkeit der Bauherren.

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