Energiehandel: So funktioniert die Strombörse.

Strom kommt aus der Steckdose. Mit solchen Plattheiten will sich Felix nicht begnügen. Der quirlige Student geht den Dingen gerne auf den Grund. Wo kommt der Strom wirklich her?

Ist die Menge immer gleich, die ins Netz eingespeist wird? Wie kommen die Strompreise dafür zustande?

Dies sind Fragen die er sich gestellt hat. Gemeinsam mit ihm beleuchten wir einen besonderen Ort; einen Markt, auf dem es zwar betriebsam zugeht, aber keine Produkte angeboten werden, die sichtbar, essbar oder besonders schön anzufühlen sind: Wir blicken auf die größte Strombörse Europas, der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Also rein ins Getümmel von Zahlen, Preisen, Kurven, Angeboten, Liefermengen …

Strom als Handelsware.

Auch wenn die eigentlich angebotene Ware – Energie und energienahe Produkte wie Strom, Gas, CO2-Emissionsberechtigungen und Kohle – nicht zu sehen ist, wird der Preis hierfür an der EEX gehandelt. Strom wird also als Ware behandelt und die Preise werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Damit handelt es sich bei der Leipziger Strombörse um eine Warenbörse, die dem deutschen Börsengesetz unterliegt.

Das war nicht immer so: Mit dem novellierten Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) von 1998 wurde der Strommarkt in Deutschland liberalisiert. Von diesem Zeitpunkt an konnte und kann jeder Kunde sein Energieversorgungsunternehmen (EVU) frei wählen, und unabhängig von ihrem Standort können die EVU ihre Kunden beliefern. Dies war auch die Geburtsstunde von Yello: Im August 1999 drängte Yello als erste nationale Strommarke auf den geöffneten Markt.

Im Zuge dieser Liberalisierung des deutschen Strommarktes sind neue Handelsformen auf dem Energiesektor entstanden. Die European Energy Exchange (EEX) mit Sitz in Leipzig entstand im Jahr 2002 durch die Fusion der deutschen Strombörsen Frankfurt und Leipzig. Seitdem hat sie sich von einer reinen Strombörse hin zu einem führenden Handelsplatz für Energie und energienahe Produkte mit internationalen Partnerschaften entwickelt: So hält die Leipziger Strombörse 50 Prozent an einer Tochtergesellschaft in Paris (EPEX), die ihrerseits Handel mit Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich treibt. Eng zusammen arbeitet die Leipziger Strombörse auch mit der niederländischen Strombörse.

Aber zurück zum begehrten Produkt, das zwar an der Börse selbst eher durch Unsichtbarkeit glänzt, aber im Fokus unternehmerischen Handelns steht. Gemeint ist natürlich der Strom. Anders als andere Energieformen kann Strom nicht gelagert werden. Felix handelt da anders, da er seine Energie lieber im Sportstudio lässt, geht er nur selten einkaufen und legt sich lieber größere Vorräte an haltbaren Lebensmitteln an. Der Strom aber, muss sofort verbraucht werden. Produzieren die Energieunternehmen zu viel Strom, wird die überschüssige Menge auf dem Markt angeboten. Entspricht die Stromproduktion jedoch nicht dem aktuellen Bedarf, dann muss Energie von den Versorgern hinzugekauft werden.

Die EEX übernimmt die Aufgabe, Angebot und Nachfrage aufeinander abzustimmen.

Einigung zwischen Mindestpreis und Maximalangebot.

Was heißt das genau?

Anders als auf dem Wochenmarkt verkaufen die Produzenten ihre Ware nicht selbst, sondern geben ihre Gebote ab. Börsenhändler werden für sie tätig. Die Stromproduzenten teilen mit, dass sie bereit sind, eine Strommenge A zu liefern, vorausgesetzt sie bekommen einen von ihnen festgesetzten Mindestpreis. Jetzt kommt der Nachfrager, also derjenige, der eine gewisse Strommenge erwerben möchte, ins Spiel. Auch er nennt seine Wünsche hinsichtlich der Menge und des Maximalpreises. Weil solche Angebote und Nachfragen für jede Stunde abgegeben werden, heißen sie Stundenkontrakte.

Je nach der vorhandenen Strommenge, die zum Verkauf angeboten wird, variieren natürlich auch die Preise. Felix Leidenschaft ist das Essen und er zieht zur Erklärung folgenden Vergleich heran: Wenn im Herbst die Birnen geerntet werden, können die Obsthändler große Mengen davon verkaufen. Weil es für einen bestimmten Zeitraum so viele davon gibt, können sie zu einem günstigen Preis verkauft werden – bevor sie schlecht werden und auf dem Kompost wandern.

Klar, lassen sich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, aber ein bisschen ähnlich ist die Preisbildung an der Strombörse schon. Felix erzählt im angenommenem Fachjargon etwas vom „Meistausführungsprinzip“, nachdem mittels Computer aus allen vorliegenden Angeboten und Nachfragen der Preis ermittelt wird.

Es wird der Preis festgesetzt, bei dem sich die meisten Stromanbieter und Nachfrager handelseinig werden können – bei dem am meisten Strom verkauft werden kann. Fordert ein Anbieter zu hohe Preise, findet er nur wenige Abnehmer. Wird zu wenig Geld für eine Strommenge geboten, sind nur wenige Anbieter bereit, Energie zu liefern. Ein bisschen Stolz ist Felix auf sein Wissen, warum sonst sollte er den Begriff „Clearingpreis“ so besonders betonen?

Langfristige Verträge an der Strombörse.

An der Leipziger Strombörse werden Milliardengeschäfte gemacht. Aber nicht jeder kann dort Strom zum Verkauf anbieten oder zukünftige Lieferungen „bestellen“. Alle großen Energiekonzerne wie auch EnBW, zu der auch Yello gehört, sind an der EEX aktiv. Auch zahlreiche kommunale Stromversorger handeln direkt an der Börse, mit dem Ziel sich künftige Lieferungen zu einem möglichst günstigen Preis zu sichern. Weit in die Zukunft reichen einige dieser Verträge. Manche werden über eine Zeitspanne von bis zu sechs Jahren abgeschlossen.

Schade eigentlich, dass Strom unsichtbar ist. Sonst wären vielleicht auch die komplexen Zusammenhänge von Stromerzeugung, Einspeisung ins Netz und Preisbildung be-greifbarer. Nur wenn er fehlt, wird erkenntlich, wie wenig ohne ihn läuft. Kein warmer Kaffee mehr am frühen Morgen, kalt duschen, Haare von Luft trocknen lassen …

Wie der Strom, der gerade aus der Steckdose kommt, produziert wurde, ist ebenfalls nicht zu erkennen. Ob es sich um Energie aus Kohlekraftwerken, Atomstrom oder Strom aus regenerativen Quellen handelt, das lässt sich nicht sagen. Nur dann kann man sicher sein, wenn der Strom zu Hause fließt und man den Strommix des Anbieters kennt oder sich für reinen Ökostrom entschieden hat.

Seit dem Atomausstieg und der Energiewende ändert sich in Deutschland der Strommarkt. Die Produktion und der Handel mit Strom sind weniger berechenbar. Es kann auch zu größeren Preisschwankungen kommen. Beispielsweise wenn an Tagen mit viel Sonne, eine große Menge an Strom aus Solaranlagen in das Netz eingespeist wird, ergibt sich ein geringerer Tagespreis. Regnet es aber oder ist der Himmel bewölkt, wird weniger Strom erzeugt und der Preis steigt. Diese Faktoren sind nicht vorhersehbar und nicht zu beeinflussen. Für Energieversorger, die sich bisher mit langfristigen Verträgen gute Konditionen sichern konnten, ist dies unter Umständen nicht mehr lohnenswert. Sie wählen dann vielleicht eher kurzfristige Verträge, die flexibler gehandhabt werden können und ihnen finanzielle Vorteile bringen.

Weil aber eben noch viele langfristige Verträge auf dem Strommarkt existieren, machen sich die kurzfristigen Preissenkungen im Einkauf für den Endverbraucher wohl eher nicht bemerkbar.

Zusammengefasst: So funktioniert die Strombörse.

  1. Um Strom verkaufen zu können, müssen die Energieunternehmen ihn erst einmal produzieren.
  2. Den produzierten Strom speisen sie in die Netze ein.
  3. Es kann jedoch auch zu einer Überproduktion an Strom kommen, die Gründe dafür können Tages- oder Jahreszeit bedingt sein. Da Strom eben nicht gelagert werden kann, muss er zeitnah verkauft werden. Das geschieht zum Beispiel auf der Leipziger Strombörse.
  4. Auf der Strombörse geben Energieunternehmen ihre Gebote ab: Darin enthalten sind die Mengen an Strom, die sie verkaufen möchten sowie der Mindestpreis, den sie für eine bestimmte Menge erzielen möchten. Demgegenüber stehen die Nachfragegebote. Auch bei diesen sind die gewünschten Abnahmemengen genannt, sowie der Maximalpreis, der dafür gezahlt werden würde.
  5. Jetzt geht es darum Angebot und Nachfrage überein zu bringen. Dies ist die Aufgabe der Börsenhändler.
  6. Die Lieferverträge werden teils für einen in der Zukunft liegenden Zeitraum geschlossen.
  7. Preisschwankungen kommen vor allem dann zustande, wenn viel Strom auf dem Markt ist. Das passiert beispielsweise an sehr windigen oder sonnigen Tagen, wenn Windkraft- oder Solaranlagen viel Energie produzieren.

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