Elektromobilität weltweit: So sieht es in anderen Ländern aus.

Elektromobilität wird weltweit unterschiedlich bewertet. In Deutschland wurden laut Statista seit 2003 zum Beispiel erst rund 83.200 Elektroautos zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Anstieg von etwa 24 %. Vom eigentlichen Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, ist man hierzulande aber noch weit entfernt. Dementsprechend hat die Bundesregierung ihren ambitionierten Plan nun auf das Jahr 2022 verschoben.

Ursache für die vergleichsweise langsame Verbreitung der umweltfreundlichen Alternative zu Benzin und Diesel sind Akzeptanzprobleme, mit denen Elektrofahrzeugen in Deutschland zu kämpfen haben. In anderen Ländern sieht es dagegen schon besser aus: Wie der internationale Vergleich zeigt, hat die Elektromobilität in China einen wesentlich höheren Stellenwert. Mit der Produktion neuer E-Flotten steht die Volksrepublik global an der Spitze. Bei der Anzahl von Neuzulassungen führen dagegen erneut die Norweger das Feld an.

China: Der größte Fahrzeugmarkt und Markt für Elektromobilität weltweit.

Seit Jahren ist China der global größte und am schnellsten wachsende Fahrzeugmarkt: Jedes Jahr werden mehr als 20 Millionen Autos gebaut – Tendenz steigend. Nahezu ein Drittel des weltweiten Autoabsatzes entfällt auf das Reich der Mitte. Um Elektromobilität weiter zu stärken, hat die chinesische Regierung eine Reihe von Maßnahmen beschlossen. Durch gesetzliche Regulierungen ist der Erwerb von E-Autos attraktiver geworden, während zeitgleich der Markt konventioneller Verbrenner geschwächt wurde. In Metropolen wie Peking und Shanghai werden für Benziner mittlerweile nahezu keine Zulassungen mehr herausgeben.

Verkehr in einer chinesischen Großstadt

Die Förderung von Elektromobilität in China senkt die Luftverschmutzung und hat auch wirtschaftliche Gründe: Die staatlich verordnete „grüne Revolution“ stärkt die landeseigene Automobilindustrie im globalen Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft. Mehr als 60 heimische Hersteller für E-Fahrzeuge sind in China aktiv und die Produktion rollt. 2018 fuhren in China fast 800.000 rein batteriebetriebene Autos und Plug-in-Hybride, also Benziner mit zusätzlichem Elektromotor, vom Band. Peking treibt die Hersteller weiter an: Seit 2019 gibt es für chinesische Autobauer eine Mindestquote für E-Autos. Wird diese nicht erfüllt, drohen hohe Geldstrafen. Das Ziel: Ab 2020 sollen pro Jahr zwei Millionen neue E-Fahrzeuge in China hergestellt werden.

Betrachtet man die absoluten Zahlen, liegt das Land in Sachen Elektromobilität weltweit schon jetzt vorn: Über die Hälfte des Weltmarkts entfällt zurzeit auf die Volksrepublik.

Ein ganzes Land unter Strom

Mit aktuell 330.000 öffentliche Ladestationen ist China der Staat mit der besten Infrastruktur für E-Fahrzeuge. Das Regierungsziel: Bis 2020 soll das Netz mit weiteren 4,8 Millionen Ladestationen ausgebaut werden.

Shenzhen: Ein Pilotprojekt entwickelt sich zum globalen Vorbild.

Die chinesische Metropole Shenzhen zeigt der Welt, wie E-Mobilität im öffentlichen Verkehr funktioniert. Verteilt auf 900 Buslinien fahren täglich 16.300 E-Busse etwa 5,7 Millionen Routen, um Reisende von A nach B zu bringen. Binnen weniger Jahre wurden alle Dieselbusse gegen die grüne E-Flotte ausgetauscht. Die 12,5 Millionen Einwohner der Stadt sind begeistert. Dank der Maßnahmen ist die Luft sauberer und da die neuen E-Busse nahezu geräuschlos fahren, wurde der Verkehrslärm minimiert. Was als Pilotprojekt begonnen hat, ist heute sowohl für die Stadt als auch für den ansässigen E-Bushersteller „BYD ebus“ ein gutes Geschäft. Aktuell liefert das Unternehmen seine Busse an über 50 Länder aus. Zu den Kunden gehören zum Beispiel Norwegen und Italien. In London rollen bereits auf vier Linien E-Busse von BYD durch die Straßen – Tendenz steigend.

Während die Entwicklung der E-Mobilität in Deutschland stockt, investiert die chinesische Regierung in Shenzhen in die Umrüstung aller Taxen. Aktuell fährt bereits jedes zweite Taxi mit Strom.

Auf den ersten Blick scheint China im Hinblick auf ein ökologisches Verkehrsnetz also die Nase vorn zu haben. Allerdings hat die E-Mobilität im Reich der Mitte zwei große Haken:

  1. Die Produktion einer Batterie für kompakte E-Fahrzeuge mit 200 Kilometern Reichweite setzt rund fünf Tonnen Kohlendioxid frei.
  2. Geladen werden die Stromspeicher in China primär mit Strom aus Kohlekraftwerken, was die Ökobilanz der Elektroautos schwächt.

Um diesem Problem entgegenzuwirken, investiert die Volksrepublik über 300 Milliarden Euro in den Ökostrom-Sektor, der bis 2020 signifikant ausgebaut werden soll. Durch Windenergie und Solarkraft wird im Südosten Chinas bereits ein Drittel des Stroms aus erneuerbaren Energien generiert. China erkennt die lukrative Zukunft innovativer Technologien, stärkt die Entwicklung nach innen und hängt den internationalen Markt ab.

Elektromobilität in Europa: Stand der Dinge.

Ungeachtet der Diesel-Debatte und des gesteigerten Umweltbewusstseins hat es die Elektromobilität hierzulande schwer. Der Absatz von Elektroautos, Hybriden und anderen alternativ betriebenen Fahrzeugen hat zwar tendenziell zugelegt, doch die aktuellen Zahlen des ACEA (Europäischer Automobilherstellerverband) zeigen, dass Deutschland auch im Jahr 2019 von seinen Zielen bis 2020 noch weit entfernt ist.

2018 waren lediglich zwei Prozent der 2018 in der EU zugelassenen Neuwagen batteriebetrieben. Insgesamt wurden 3,4 Millionen neue Autos in Deutschland verkauft. Dabei entschieden sich nur 67.658 Käufer für ein Elektroauto. Das entspricht zwei Prozent. Mit dieser Zurückhaltung besetzt Deutschland unter den EU-Mitgliedsstaaten lediglich Platz 6.

Eletro-Auto wird an Ladestation betankt

Auf einen Anteil von zwei bis sechs Prozent neu zugelassener Elektrofahrzeuge kommen auch Schweden, Finnland, die Niederlande, Belgien und die Schweiz. Einen Ausreißer nach oben gibt es aber: den Rekordhalter Norwegen!

Norwegen: Fast jede zweite Neuzulassung ist elektrisch.

Norwegen ist und bleibt in Sachen Elektromobilität ein Vorzeigestaat – und das nicht nur in Europa. Die Skandinavier nehmen wiederholt weltweit den Spitzenrang ein. Fast jeder zweite Norweger, der einen neuen Wagen sucht, entscheidet sich heute für ein Auto mit alternativem Antrieb: Elektro- und Hybridautos oder Fahrzeuge mit Brennstoffzellen- und Gasantrieb. Dabei fallen letztere zahlenmäßig weniger ins Gewicht.

Gleichzeitig ist der Diesel in Norwegen auf dem Rückzug: 2011 hatten 76 Prozent der neu angemeldeten Fahrzeuge einen Dieselmotor, 2017 waren es gerade einmal 23 Prozent. Die aktuellen Regierungsziele in Oslo: Ab 2025 will Norwegen ausschließlich Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ohne Verbrennungsmotor zum Verkauf zulassen.

Nissan LEAF 2018 in rot steht auf Straße

Der Staat subventioniert die Elektromobilität.

Die Besitzer von Elektroautos profitieren in Norwegen von beachtlichen staatlichen Subventionen: Pkw mit Verbrennungsmotoren werden stark besteuert. Beim Kauf von E-Fahrzeugen kassiert der Staat dagegen nicht ab. Darüber hinaus locken eine niedrige Kraftfahrzeugsteuer sowie die unentgeltliche Nutzung der Mautstraßen und der staatlichen Fährschiffe. Mit diesen Vorteilen können die Norweger mit einem neuen E-Auto bis zu 3.500 Euro im Jahr sparen.

Auch die Infrastruktur der E-Ladestationen wird seit 2017 rasant und massiv ausgebaut. Bereits an 150 von insgesamt 1.500 Ladestationen können Autos wie VWs e-up!, Nissans Leaf, ein Tesla oder ein BMW i3 in einer Stunde aufgeladen werden. Das staatliche Unternehmen Transnova übernimmt 30 % der Kosten für eine Ladestation, wenn an ihr Elektroautos aller Marken geladen werden können. Und das kommt gut an: Möbelhäuser planen dieses Angebot für ihre Parkhäuser zu nutzen und auch eine Fastfood-Kette lockt bereits erfolgreich Kunden mit der Möglichkeit zur elektronischen Betankung auf dem Parkplatz.

Ein weiterer Pluspunkt der norwegischen Elektromobilität: Über 95 Prozent des Stroms kommen aus Wasserkraftwerken. Die Energie für die Elektrofahrzeuge ist also nicht mit erhöhtem CO2-Ausstoß verbunden.

Subventionen für Elektroautos: Nicht überall erfolgreich

Elektromobilität wird in vielen Ländern staatlich subventioniert. Solche Vergünstigungen können wie in Norwegen effektiv sein. In Deutschland fällt ihre Wirkung eher spärlich aus. Im Gegensatz dazu lief in Dänemark die Unterstützung für Elektroautos Ende 2015 aus. Seitdem ging der Absatz stark zurück: Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Dänemark laut ACEA nur 250 Elektroautos zugelassen.

Auf dem weltweit zweitgrößten Markt für Elektromobilität in den USA bekommen Käufer von Hybriden und Elektroautos bis zu 7.500 Dollar ihrer Steuern gutgeschrieben. Diese Förderung ist allerdings beschränkt und läuft schrittweise aus, wenn ein Hersteller 200.000 E-Autos in den USA verkauft hat. Das macht sich vor allem bei den populären Modellen von General Motors und Tesla bemerkbar. Deutlich schwerwiegender ist jedoch, dass die Regierung Trump den Steuervorteil in naher Zukunft komplett kippen möchte.

Was Deutschland aus der internationalen Entwicklung lernen kann.

Will Deutschland dem Ziel der emissionsfreien Mobilität näherkommen, müssen regenerative Energien und deren Speicherung massiv gefördert werden. Die Reichweite von Elektroautos entwickelt sich positiv. Jedoch sind im Hinblick auf die Infrastruktur der Ladestationen noch weitere Investitionen nötig.

Ein Beispiel, das in eine gute Richtung weist: Der Service e-Tron Charging von Audi. Dieser ermöglicht es E-Autofahrern nach einmaliger Registrierung mehr als 80 Prozent der 72.000 öffentlichen Ladestationen in Europa zu nutzen. Die Landkarte der Ladestationen von Audi bündelt 220 Anbieter und leistet damit eine flächendeckende Versorgung, der je nach Tarif über eine App abgerechnet wird. Ein erster Schritt, um das Bezahlchaos in Europa zu beenden.

Die beliebtesten Elektroautos in Deutschland.

Die Top 10 der meistverkauften Elektrofahrzeuge 2018 zeigt, dass vor allem kompakte und verhältnismäßig günstige E-Autos beliebt sind. Eine Ausnahme bildet das Tesla Model S, das sich immerhin noch auf Platz 9 einreiht – und das trotz hoher Anschaffungskosten.

  1. Renault Zoe (6.360)
  2. VW e-Golf (5.743)
  3. Smart EQ Fortwo (4.304)
  4. BMW i3 (3.792)
  5. Kia Soul EV (3.292)
  6. Smart EQ Forfour (2.551)
  7. Nissan Leaf (2.380)
  8. Hyundai Ioniq Electric (1.695)
  9. Tesla Model S (1.248)
  10. VW e-up (1.019)

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