Reichweite von Elektroautos – aktuelle Modelle im Test.

Knackpunkt bei E-Autos war lange Zeit ihre Reichweite. Das hat sich mittlerweile geändert: Viele Modelle können inzwischen große Distanzen ohne Aufladen zurücklegen. Wir werfen einen Blick auf die Top 5 der E-Autos mit einer Reichweite von 600 Kilometern und mehr. Außerdem geben wir dir Tipps, wie du die Reichweite deines Elektroautos erhöhen kannst.

Reichweite von E-Autos: Welche Distanz schaffen die Akkus?

Für alle, die ein Elektroauto kaufen möchten, ist die Reichweite sicherlich eines der wichtigsten Entscheidungskriterien. Inzwischen übertreffen sich die Automobilhersteller gegenseitig mit optimierten Akkus, die Reichweiten von bis zu 600 Kilometern ermöglichen. Für die Hersteller liegt die Herausforderung in der deutlich geringeren Energiedichte von Akkus im Vergleich zur Energiequelle Benzin bei Verbrennern. Die Energiedichte beschreibt wie viel Energie in einem Kilogramm enthalten ist oder gespeichert werden kann. Dieser Wert wird insbesondere für aufladbare Batterien (Akkumulatoren) angegeben. Während ein Kilogramm Benzin (1,33 Liter) fast 12.000 Wattstunden Energie liefert, sind es bei Lithium-Ionen-Akkus maximal 140 Wattstunden je Kilogramm. Das bedeutet: Der Akku eines Elektroautos, mit dem du 100 Kilometer zurücklegen kannst, wiegt viel mehr als ein für diese Reichweite gefüllter Benzintank. Der Schlüssel zu einer höheren Reichweite liegt demnach in einer besseren Energieeffizienz der Fahrzeuge sowie in leichteren Batterien.

Die tatsächliche Reichweite von Elektroautos hängt jedoch von weiteren Faktoren ab, zum Beispiel von deinem Fahrverhalten und den Wetterverhältnissen. Um dir zu zeigen, wie viele Kilometer du durchschnittlich mit einem E-Auto fahren kannst, begleiten wir Paul einen Tag lang in seinem BMW i3. Paul hat sich gerade erst ein E-Auto gekauft und möchte herausfinden, wie der BMW i3 im Reichweiten-Check abschneidet. Vom Ergebnis kannst du dir in diesem Video ein Bild machen:

WLTP: So funktioniert die Ermittlung von Reichweite und Verbrauch bei Elektroautos.

Seit September 2017 hat das WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) das als unrealistisch betrachtete NEFZ-Verfahren (Neuer Europäischer Fahrzyklus) abgelöst. Darüber wird unter anderem die Reichweite und der Verbrauch von E-Autos bestimmt. Die Rahmenbedingungen, unter denen die Elektroautos geprüft werden, sind im sogenannten WLTC (Worldwide Light Duty Test Cycle) klar vorgegeben. Grundsätzlich besteht der Fahrzyklus aus vier Teilen (Low, Medium, High und Extra High), die jeweils mit einem Stillstand des E-Autos beginnen und enden. Darüber hinaus finden alle Zyklen bei der Akku-Wohlfühltemperatur von 20 bis 23 Grad statt.

Im Teilzyklus Low wird eine Fahrt durch die Stadt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 56,5 km/h und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,9 km/h simuliert. Dabei werden wie im klassischen Stadtverkehr auch zusätzliche Stopps und Haltephasen simuliert. Im Teilzyklus Medium dagegen wird eine Fahrt außerhalb einer Ortschaft simuliert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 76,6 km/h. Stopps und Haltephasen werden nicht eingebaut. Stattdessen wird das E-Auto mehrmals auf bis zu 12 km/h abgegebremst, wodurch die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 39,5 km/h liegt. Kombiniert bilden die Teilzyklen Low und Medium den WLTP-Stadtzyklus.

Im WLTC-Abschnitt High wird dagegen eine Fahrt auf der Schnellstraße simuliert. Hier liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 97,4 km/h, während im Durchschnitt durch Abbremsen eine Geschwindigkeit von 56,6 km/h gefahren wird. Im letzten Abschnitt Extra High wird das E-Auto dann auf bis zu 131,3 km/h beschleunigt und ist mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 92 km/h unterwegs. Hier soll eine Fahrt auf der Autobahn simuliert werden.

Zusammen ergeben alle vier Teilzyklen den WLTC, der insgesamt 30 Minuten dauert und bei dem eine Distanz von etwa 23 Kilometern zurückgelegt wird. Dabei wird über eine externe Messtechnik ausgewertet, wieviel Energie der Batterie in Wattstunden entnommen wird. Der Verbrauch über den Stadtzyklus in Kombination mit den Teilzyklen High und Extra High wird „kombinierter Verbrauch“ genannt. Um letztlich die Reichweite und den Verbrauch der E-Autos zu ermitteln, die natürlich eine größere Reichweite als 23 Kilometer haben, wird der WLTC solange durchfahren bis eine vormals komplett aufgeladene Batterie leer ist. In der Regel wird der Zyklus aber durch das klar definierte „Shortened Test Procedure“ verkürzt. Weitere, detailliertere Informationen dazu findest du zum Beispiel bei Generation Strom.

Um letztlich die Reichweite nach WLTP zu ermitteln, wird die während des gesamten Testlaufs entnommene Energiemenge durch den kombinierten Verbrauch geteilt. Es handelt sich also um einen errechneten und nicht um einen real zurückgelegten Reichweitenwert. Wenn es im Folgenden, um die Reichweite der vorgestellten E-Autos geht, beziehen wir uns auf diese Daten.

Die Top 5 der E-Autos mit einer Reichweite von 600 Kilometern und mehr.

Der neue Tesla Model S hat Langstrecken-Qualitäten wie kein anderes Elektroauto. Mit einer Reichweite von bis zu 652 Kilometern in der Long Range Plus Ausführung ist er der Spitzenreiter unter allen E-Limousinen. Seine Fahrleistungen hat das Model S einer Batteriekapazität von 100 kWh zu verdanken. Der Verbrauch liegt bei etwa 19 kWh/100 Kilometer. Allerdings wird diese Reichweite ganz sicher nicht möglich sein, wenn du die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h und die rasanten Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden voll ausreizen möchtest.

Eigentlich müssten auf den Plätzen 3 und 4 außerdem das Model 3 und das Model X von Tesla auftauchen. In der Ausführung „Maximale Reichweite“ erreichen sie eine Reichweite von 580 bzw. 560 Kilometer. Um eine möglichst große Bandbreite an Herstellern abzubilden, fassen wir die reichweitenstarken Modelle des US-Herstellers an dieser Stelle allerdings zusammen.

Rotes Tesla Model S auf einer Landstraße
Das Tesla Model S führt die Top 5 der E-Autos mit der größten Reichweite an.

Auch der Ford Mustang Mach-E schafft es auf eine Reichweite von über 600 Kilometern. In der ER-Variante (Extended Range) hat der Mustang eine Reichweite von bis zu 610 Kilometern, als Standard-Range kommt er immerhin auf bis zu 450 Kilometer. Mit einem Verbrauch von 16 kWh/100 Kilometer und einer Batteriekapazität von 75 kWh landet der Ford Mustang Mach-E in der Extended-Range-Ausführung im Reichweiten-Vergleich verdient auf Platz 2.

Der Ford Mustang Mach-E auf einer Küstenstraße
Der Ford Mustang Mach-E überzeugt mit sportlichem Design.

Den VW ID.3 haben wir dir an anderer Stelle bereits ausführlicher vorgestellt. In der Ausführung Pro S verfügt das Elektrofahrzeug über eine 77-kWh-Batterie und einen 204 PS starken Motor. So kommt der VW ID.3 auf eine Reichweite von bis zu 550 Kilometern. Der Verbrauch liegt bei etwa 18 kWh/100 Kilometer.

Blauer Volkswagen ID.3 fährt in urbaner Umgebung auf einer Straße.

Der Opel Ampera-e ist in der Kompaktklasse konkurrenzlos: Die Reichweite des in Detroit hergestellten E-Autos liegt bei bis zu 520 Kilometern. Er hat einen Verbrauch von 14,5 kWh/100 Kilometer.

Roter Opel Ampera-e auf einer Brücke.
Bis zu 520 Kilometer Reichweite sollen beim Opel Ampera-e drin sein.

Bis zu 500 Kilometer – so weit schaffst du es mit dem Skoda Enyaq iV. Das familientaugliche Elektroauto verbraucht 19 kWh/100 Kilometer. Diese Werte beziehein sich allerdings nur auf das Model Enyaq iV 80 mit Heckantrieb und einer Leistung von 150 kW. Diese verfügt über eine große Batterie, die netto 77 kWh fasst.

Skoda Enyaq iV steht vor zwei Bäumen und citysilouette

In dieser Tabelle mit den Top 5 der Elektroautos findest du für einen schnellen Vergleich die Reichweite, den Verbrauch und häufig genannte Kritikpunkte.

ModelReichweiteVerbrauchPreis
Tesla Model Sbis zu 652 km19 kWh/100 Kilometerab 80.000 Euro
Ford Mustang Mach-Ebis zu 610 km16 kWh/100 Kilometerab 47.000 Euro
VW ID.3bis zu 550 km18 kWh/100 Kilometerab 40.000 Euro
Opel Ampera-ebis zu 520 km14,5 kWh/100 Kilometerab 43.000 Euro
Skoda Enyaq iVbis zu 500 km19 kWh/100 Kilometerab 33.000 Euro

So kannst du die Reichweite deines Elektroautos erhöhen.

Du hast es selbst in der Hand, wie weit du mit einer Akkuladung kommst. Genau wie bei Benzinern hängt die Reichweite eines Elektroautos vor allem von deinem Fahrstil ab. Kurz gesagt: Wer fester aufs Gaspedal drückt, erlebt zwar mehr Fahrspaß, kommt aber nicht so weit. Am sparsamsten bist du mit einer moderaten Geschwindigkeit unter 100 Stundenkilometern unterwegs.

Ein weiterer wichtiger Punkt für die Reichweite eines Elektroautos sind die Reifen. Der Energieverbrauch eines Fahrzeugs hängt bis zu 30 Prozent von diesen ab. Für Elektroautos gibt es daher spezielle Reifen, die einen besonders geringen Rollwiderstand haben. Auch die Fahrbahnhaftung und Formstabilität wurden optimiert, was ihre Effizienz ebenfalls steigert. Außerdem solltest du den Reifendruck regelmäßig kontrollieren. Ist er zu niedrig, hat der Reifen mehr Fahrbahnkontakt, und das erhöht den Rollwiderstand.

Einen wichtigen Einfluss auf die Reichweite hat außerdem die Temperatur. DIe Wohlfühltemperatur des Akkus liegt in einem Bereich zwischen 20 und 23 Grad. So kann die Reichweite deines Stromers vor allem im Winter geringer sein. Um gegenzusteuern ist es sinnvoll, dass E-Auto vor allem in den Wintermonaten nicht auf der Straße, sondern im besten Fall in einer Garage stehen zu haben, um die Batterie vor allzu großer Kälte zu schützen.

Last but not least ist eine Reichweitenvergrößerung auch mittels Rekuperation möglich. Anstatt deinen Stromer alleine über den Tritt auf das Bremspedal zu verlangsamen, nimmst du einfach den Fuß vom Gas. In diesem Moment schaltet der Elektromotor in den Generator-Modus und verzögert die Fahrt des Wagens. Dabei wird die Bewegungsenergie der Antriebsräder in elektrische Energie umgewandelt und im Akku deines E-Autos gespeichert. Viele Elektroautos bieten die Möglichkeit, die Rekuperation in mehreren Stufen zu nutzen. Meist über Tasten am Lenkrad lässt sich steuern, wie stark der Wagen verzögern soll, wenn du den Fuß vom Gaspedal nimmst. Dabei gilt: Je höher die Stufe der Rekuperation, desto größer auch die Energiegewinnung. Durch geschickten Einsatz dieser Technik kannst du also den Stromverbrauch deines Stromers senken und dadurch die Reichweite erhöhen.

Ausblick: Sind Elektroautos mit 1.000 oder sogar 2.000 Kilometer Reichweite möglich?

Die Zeiten, in denen E-Autos als reine Stadtautos galten, sind vorüber. Doch wie stehen die Chancen auf Elektroautos, die eine Reichweite von bis zu 1.000 Kilometern oder sogar 2.000 Kilometer haben? Die Automobilhersteller drängen seit Langem auf einen Durchbruch bei den Akkus, um die Reichweite ihrer Fahrzeuge weiter zu verbessern und gleichzeitig ihre Lebensdauer zu verlängern. Innolith, ein Schweizer Start-up, soll dies nun mit einem neuen Lithium-Ionen-Akku gelungen sein. Laut Experten könnte Innolith den weltweit ersten Akku mit 1.000 Wattstunden je Kilogramm hergestellt haben.

Mit diesem Akku könnte ein Elektroauto mit einer einzigen Ladung eine Reichweite von 1.000 Kilometer schaffen. Das ist weit mehr als die derzeit auf dem Markt befindlichen Lithium-Ionen-Akkus erreichen. Allerdings hat Innolith sein Elektrofahrzeug noch nicht herausgebracht.

Fazit: Spricht die Reichweite gegen den Kauf eines Elektroautos?

Wer mit seinem Elektroauto lange Strecken zurücklegen möchte, wünscht sich natürlich das Modell mit der größten Reichweite. E-Autos, die auf eine Reichweite von 600 Kilometern und mehr kommen, gibt es wie oben beschrieben inzwischen. Manche Benziner kommen mit einer Tankfüllung ähnlich weit. Dabei solltest du dir allerdings immer die Frage stellen, ob so hohe Reichweiten überhaupt notwendig sind. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur legt ein deutscher Autofahrer rund 30 Kilometer am Tag zurück, um zum Beispiel zur Arbeit und zurück zu kommen oder einkaufen zu fahren. Selbst wenn dein Arbeitsweg länger sein sollte, gehören Strecken über 500 Kilometer vermutlich eher zu den Ausnahmen.

Aus diesem Grund ist es durchaus sinnvoll, dass du dich auch bei E-Autos mit geringeren Reichweiten umschaust. Elektroautos mit kleineren Batterien haben nämlich eine deutlich bessere Umweltbilanz als Stromer mit großem Akku. Der Grund: Für die Herstellung der kleineren Energiezellen müssen weniger Rohstoffe eingesetzt werden. Insofern solltest du dein eigenes Nutzungsverhalten stets hinterfragen. Im Zweifel bietet es sich an, bei Fahrten mit dem E-Auto in den Urlaub lieber ein paar Ladestopps mehr einzuplanen. Dadurch kannst du vielleicht schon auf dem Weg zum Urlaubsziel die eine oder andere Sehenswürdigkeit mitnehmen.

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